Wir schreiben das Jahr 1996 irgendwann im Mai. Der FSV Zwickau spielt seine
zweite Saison in der 2. Bundesliga erfolgreich zuende und steht am Ende
auf Tabellenplatz fünf, nur sieben Punkte hinter dem 3. Aufsteiger MSV
Duisburg. Der Zuschauerschnitt mit über 6.000 ist für damalige Verhältnisse
durchaus passabel. Die Auswärtsfahrerzahlen ebenso. Mit gut 1.500
Leuten in Nürnberg oder 400 Fans in Mannheim und Berlin, stellt man
eigentlich einen der interessanteren Gegner in dieser Liga.
Doch blickt man genauer in die Fanszene, so sieht man, dass irgendwie der Wurm drin
ist. Fan-Dasein ohne Hintergrund, einfach nur das bis dahin übliche
rumkrakeln und saufen bei Auswärtsspielen und ein Fanblock durch und
durch mit Kindern und anderen sinnlosen Gestalten übersät lässt auch
nicht viel Grund zur Euphorie aufkommen. Leicht genervt von der damalig herrschenden
Situation grübelten 2-3 Personen, wie man sich wohl im Stadion anders
und auch besser präsentieren könnte. Neue Gesänge, viel ausdauernder
und vor allem auf höheren Niveau. Viel konstruktives entstand jedoch
nicht, es blieb bei etlichen Gedankengängen, derer am Ende ein Besuch
des Spiels Zwickau Ama. gegen die zweite Vertretung aus dem Schacht
anstand, um wenigstens dort etwas anderes und neuartiges Flair zu
verbreiten. So standen also an diesem denkwürdigen 22.05.96 ziemlich
genau 9 Leute neben etwa 80 normalen Besuchern auf dem Sportplatz an der
Bürgerschachtstraße, um mittels Pappen, Konfetti, lauten Böllern und
ausdauernden Gesängen zu zeigen, wie ordentliche Unterstützung einer
Mannschaft auszusehen hat. Leider deckten sich die Ansichten der
verschiedenen Leute untereinander nicht so wie gewünscht, so dass der
Tag doch leicht ins sinnlose abdriftete und eigentlich keinerlei
Fortschritte brachte. Somit wurde dass Projekt erst mal auf unbestimmte
Zeit auf Eis gelegt, verschwand jedoch nie aus den Köpfen einiger
Leute. Ende des Jahres 96 kam dann Idee auf, dass Ganze vielleicht doch
erneut zu probieren. Nach einigen Gesprächen und Diskussionen folgten
aber keine Taten und so dauerte es bis in den März 1997 bis sich 4
Leute dazu durchrangen endlich das Heft in die Hand zu nehmen! ULTRA´
sollte es sein. Neue Gesänge, Pyro, ein geiles Feeling verbreiten und
gleichzeitig erleben, dass waren die Hauptgründe und auch Ziele, die
man sich in den Kopf setzte. Der Name "Ultra Boys les Rouges" war
schnell gefunden und schwupps wurden auch die ersten Aktionen geplant
und durchgeführt. Die Zwickauer Fanszene hatte sich bis dahin überhaupt
nicht weiterentwickelt, wenn dann höchstens im negativen Bereich. Der
Fanblock auf der Geraden zählte etwa 500
Kinder, die aber von Spiel zu
Spiel weniger Support verbreiteten. Darüber hinaus war auch ein
weiterer Fanclub unzufrieden mit der Situation und "gründete" im
D-Block unterhalb der Anzeigetafel einen sogenannten Alternativ-Block.
Dieser umfasste bei den meisten Spielen grobgeschätzte 50-60 Personen,
wusste aber auch keine besonderen Akzente zu setzen. Außerdem war die
linke politische Ausrichtung vieler dort, sicher nicht jedermanns Sache.
Das Projekt verlief sich dann, ohne großen Anklang zu finden, denn in
Sachen Stimmung ging auch im D-Block nix voran. Für eine gerade gegründete
Ultragruppierung sicherlich keine allzu positiven Aspekte um in der
Anfangszeit erst mal halbwegs Fuß zu fassen und seine Ideen zu
verbreiten. Doch just in diesem Zeitraum sprangen die Alten Fans
(vorrangig Mauritius Oilers , Alte Sachsen und Fanclub Immersteif) in
die Bresche und sorgten mit der Gründung des Zwickauer Fanprojektes für
Bewegung in der Szene. Ja, die Alten. Diese gab es nämlich immer noch,
doch bei Heimspielen saß jeder der 3-4 großen Fanclubs (der Vollständigkeit
halber sei hier noch der Fanclub "Sachsenruler Meerane" genannt) auf
seinem Stammplatz, ohne irgendwie am Geschehen in einem der beiden Fanblöcke
teilzunehmen. Betrachtet man die Szenerie als Außenstehender wäre wohl
also als allererste Amtshandlung der neugegründeten Institution die
Neuorganisierung und Strukturierung der Fanszene bei Heimspielen ein
sinnvolle Aktion gewesen. Die Führung des FP (die sich aus den vorher
schon erwähnten alten FCs sowie einigen Mitgliedern des FC "Die
Schwansinnigen" zusammensetzte) zeigte auch ein glückliches Händchen
und "ordnete" den Block E als neuen Sektor für alle Supportwilligen
Zwickauer an. Dessen Premiere erfolgte dann am 13.04.97 zum Spiel gegen
Mainz 05, zwei Wochen nach der ersten Aktion der "Ultra Boys les
Rouges" die beim Spiel gegen Jena fünf bengalische Fackeln im D-Block
zündeten. Etwa 600 Fans waren an besagten Tag den Aufrufen des
Fanprojektes gefolgt. Einer Kassenrollenwurfaktion mit etwa derer etwa
100 folgte richtig guter Support, angetrieben besonders durch etliche ältere
Fans. Man musste lang zurückdenken, wann ein Heimspiel soviel Freude
bereitet hatte. Somit Grund genug, optimistisch in die Zukunft zu
schauen, für Fan als auch Ultraszene. Am 22.05.97, also auf den Tag
genau nachdem man beim Amateure-Spiel versuchte die Welt zu verändern
(*g*) sollte die Feuertaufe stattfinden.
Beim Spiel gegen die schon als Aufsteiger feststehenden,
Lauterer wurden 7 Bengalen, 3 rote Nebeltöpfe
und 2 Rauchfackeln abgebrannt. Für damalige Verhältnisse ein Anblick für
die Götter! Auch in Sachen Support verlief der Tag durchaus
zufriedenstellend, so dass man mit einem Hochgefühl auf die nun
folgende ära, guter Dinge war. Es war die Zeit, in der sich nun auch in
Deutschland nach und nach erste Gruppierungen nach italienischem Vorbild
gründeten oder auch schon gegründet hatten. Ob in Frankfurt, Köln
oder Leverkusen, der Ultragedanke hielt Einzug und wir mittendrin.
Gerade durch diese rar gesäte Ultralandschaft und die wenigen
Kommunikationsmöglichkeiten im Vergleich zur heutigen Zeit, war man natürlich
viel unbeeinflussbarer, was die Ausrichtung des eigenen Stils betraf.
Als Darstellungsplattform existierte die match live und Infos bekam man
aus zahlreichen Zines, die man mit großer Gier sammelte. Auch die Super
Tifo stellte damals ein begehrtes Pamphlet dar, welches man sich oftmals
stundenlang total fasziniert reinzog. Italien galt als Nonplusultra an
dem man sich Orientierung verschaffte und wünschte, irgendwann so zu
sein, wie die Jungs vom Apennin. Richtige Lehrstunden holte man sich des
öfteren bei diversen Spielen der Bayern Amateure, wo sich besonders bei
Derbies gegen Giesing ein roter Mob zusammenfand, der stimmungstechnisch
bis dato alles erlebte in den Schatten stellte. Geile Gesänge,
ordentliche Choreographien und ein Top-Auftreten, für einige war damit
ein Vorbild geboten, dem es nachzueifern galt. Aber wie so oft, grau ist
alle Theorie. Die letzten Auswärtsspiele in der Saison 96/97 waren dank
des sportlichen Abschneidens (Klassenerhalt) geprägt von Euphorie.
Auftritt wie in Köln, bei der Fortuna an einem Mittwoch mit gut 300
Leuten waren richtig geil. Die ersten zaghaften Gesänge wurden
angebracht und dank der Mithilfe der älteren auch entsprechend gut
angenommen. überhaupt war der Kontakt zur restlichen Szene durchaus
passabel. Besonders durch die vielen Sitzungen in der Gründungszeit des
Fanprojektes sah man sich häufiger, konnte sich austauschen und dank
der nicht wirklich riesigen Szene, kannte man nach 4-5 mitgefahrenen
Auswärtsspielen fast jeden der was zu sagen hatte. Es fand also kein völliges
abkapseln statt, sondern die man sah sich als Szene und versuchte eben
nur als kleine Gruppe, erneuten Schwung in eben jene zu bringen.
Besonders die M.Oilers integrierten uns sehr gut, nahmen uns auf Auswärtsfahrten
in ihren Kleinbussen mit oder aber man traf sich bei Spielen der
Amateure. Kurzum, bald gehörte man richtig dazu!
Die neue Saison konnte also kommen und mit ihr auch viel Elan unsererseits.
Die ersten Spiele waren jedoch mehr als durchwachsen. Beim Heimspiel
gegen Unterhaching war kein Anzeichen einer existenten Gruppe zu
erkennen und auch die Auswärtsspiele in Meppen oder Fürth konnte man
eher unter Ulk verbuchen. Mitte August folgte dann das Pokalspiel gegen
Schalke. Hier hatte man sich gemeinsam mit dem Fanprojekt großes
vorgenommen.
Realisiert wurde das ganze zumindest im optischen Bereich
auf jeden Fall. Die leeren Flächen zwischen E-Block und den anderen
beiden nebenstehenden Blöcken durchzog man mit rot-weissen Absperrbändern,
liess locker 300 mit Helium gefüllte Luftballons gen Himmel steigen und
später noch einige satte Pfund Rauch dazu. Die weiteren Spiele
verliefen dann so lala. Man versuchte besonders bei Heimspielen
irgendwie das Ruder an sich zu reissen, doch war mit nur 4-5 Mitgliedern
und noch mal soviel Sympathisanten in einem oftmals mit 600 Leuten gefüllten
Block logischerweise hoffnungslos verloren. In Stuttgart präsentierte
man dann zum ersten Mal eine richtige Choreographie, bestehend aus 100
roten und weissen Papptafeln, doch auch an diesem Tag liess der
gesangliche Part mehr als zu wünschen übrig. Leider war innerhalb der
Gruppe oftmals keinerlei Einsatzbereitschaft vorhanden, so dass es zum
Heimspiel gegen Wattenscheid im Oktober zum Knall kam und sich die
Gruppe nach kurzer Diskussion auflöste! Auf die Kontakte zwischen den
einzelnen Mitgliedern, hatte diese Aktion allerdings keine Auswirkungen,
schliesslich waren die Freundschaften schon längst gefestigt bzw. seit
eh und je vorhanden. So traf man sich also trotzdem noch so ziemlich
jeden Tag am bekannten Platz im Ghetto Eckersbach um über dies und
dass, in der Hauptsache eigentlich nur über Fussball, zu philosophieren
und nach nur einem Monat kam man nach etlichen Gesprächen doch wieder
auf einen Nenner und wagte einen Neuanfang. Ein neuer Name sollte auch
her, doch allgemein sollte der Start erst mal eher inoffiziell erfolgen
und so agierte die Gruppe von nun an unter dem Namen Ultras Zwickau.
Reichlich später folgte dann noch der Zusatz "Red Kaos", der dann
nach kurzer Zeit ganz haften blieb, für nunmehr 8 Jahre... In der
Zwischenzeit waren einem kleinen Kreis auch die Amateure gut ans Herz
gewachsen. Der aller erste organisierte Auftritt in der Fremde folgte im
September in Eilenburg, wo unsere Spieler nicht schlecht staunten, als
wir mit 5 Leuten nicht nur farblich Flagge zeigten, sondern auch zu
lautstaRKer Anfeuerung bereit waren. Auch in Chemnitz bei der 2.
Mannschaft im Sportforum zeigte man sich aktiv. Enttäuschend zwar, dass
von erwarteten 25 Leuten letztlich nur 7 dabei waren, kam der Spass dank
7 Bengalen und einem Kilo Rauch aber nicht zu kurz, denn für 5 Minuten
setzte es eine bis dato noch nie erlebte Spielunterbrechung. Ein
weiteres Highlight aus diesem Reigen stellte dass im Dezember
ausgetragene Spiel in Meissen dar. Hinter 8 Fahnen standen 6 Leute, die
90 Minuten lang ihr Programm vollzogen, mit Kassenrollen, Konfetti,
Rauch und Oberkörperfrei-Aktionen so richtig einen losmachten. Haften
blieb außerdem dass Freundschaftsspiel in Plauen Mitte November, dass
als Art Gruppenfindung diente. Etwa 25 Personen zeigten dort zum ersten
Mal richtig klar, wie man als Ultragruppierung aufzutreten hat.
Durchgehender kreativer Support, Bengalen und Rauch und auch weiße
Plastikbahnen und einiges an Zaunfahnen. Jetzt kam wieder neuerliche
Euphorie auf und da kam das letzte Spiel des Jahres 97 in Frankfurt
gerade recht. Einiges hatte man von den Ultras aus FFM schon gehört und
war dementsprechend auch motiviert, um zu zeigen, dass es auch bei
unserer kleinen Szene was zu sehen gab. Mit insgesamt 110 Leuten aus
Zwickau sangen wir nicht nur ganz ordentlich, sondern zeigten auch gute
10kg Papierschnipsel und einiges an Rauchpulver. Die Frankfurter die
damals schon auf der Gegengerade standen, zählten um die 100
Supportwillige, angeheizt von einem Capo im Weihnachtsmannkostüm,
konnten aber rein gar nicht überzeugen. Somit fiel die
Standortbestimmung für uns weitaus besser aus als vermutet! Und dies
auch zu Recht, denn das neue Jahr begann durchaus schwungvoll. Ob nun
beim Hallenmasters in Leipzig oder beim regionalen Hallenturnier in
Glauchau, der Mob fand sich und fand immer mehr seine Linie in Sachen
Support. Trotzdem fehlte einfach noch die Stärke (besonders zahlenmäßig,
denn auf mehr als 8 Mitglieder waren wir immer noch nicht gekommen), um
einen 500er Block halbwegs zu führen. So blieb bei Spielen gegen Fürth
oder Meppen vieles nur Stückwerk und man machte sich daran einfach mit
15-20 Leuten sein eigenes Ding durchzuziehen. Zurecht, wie man sah, denn
der Block leerte sich mit steigenden Misserfolg von Spiel zu Spiel und
man gewann mehr und mehr an Standfestigkeit im Block E! Herausragend und
für alle Beteiligten mit Sicherheit auch heute noch ein unvergessliches
Erlebnis, stellte das Spiel beim FC St. Pauli im März 98 dar. Der
Abstieg nach vier Jahren Profifussball war ab diesem Wochenende schon so
gut wie besiegelt. Trotzdem waren 150 Zwickauer an diesem Freitagabend
in Hamburg, die eine übelste Party losmachten. Zum Auftakt gabs von uns
150 rote Pappen, dazwischen ein weißes Herz aus Stoff und an den beiden
Außenseiten weiße Plastikbahnen. Darunter prangte ein Spruchband
"Haut rein Jungs". Danach folgte Support der gehobenen Schicht!
Absolute Krönung war unsere Reaktion auf die "100 Jahre DDR"-Gesänge
der Paulianer. Alle Zwickauer henkelten sich mit dem Rücken zum
Spielfeld ein, hüpften und sangen dabei. So mancher von uns kam sich
vor wie im falschen Film. Das war aber noch nicht alles, denn neben 4kg
Papierschnipsel und etlichen Kassenrollen (die wir aufgrund eines
Verbotes von unten nach oben(!) warfen) gabs auch noch die
obligatorische Ladung Rauchpulver. Mit Schlusspfiff blieben alle
Zwickauer sage und schreibe noch 45 Minuten im Stadion und sangen was
die Kehlen hergaben ("Um vier fährt unser Sonderzug" – Ordner
wurden schon leicht nervös hehe). Unvergesslich und noch lange nicht
das Ende, denn bereits das darauffolgende Auswärtsspiel bei Fortuna Köln
war ähnlich geil. Etwas über 100 Zwickauer durften sich mal wieder
eine 5:2 Niederlage abholen, doch tat dass der Laune absolut keinen
Abbruch. Ernste Lieder wechselten mit spassigen Liedern ab und da es die
Mannschaft nicht gebacken bekam mal ein Tor zu schiessen, schossen wir
sie eben selbst! Man begann von 9 herunterzuzählen und bei null pogte
der gesamte Pöbel wie wild durch die Prärie. Danach erschallten Gesänge
a la "Und jetzt, jetzt steht es 3:1" ehe nach dem 4. imaginären
Torerfolg nur noch "Auswärtssieg, Auswärtssieg" brüllten. Ja,
kreativ waren wir schon damals... Der Tag darauf galt dann aber als
erste wirkliche Bewährungsprobe. Sachsenpokalhalbfinale und unsere
Amateure hatten gegen die Violetten Bastarde aus dem Schacht anzutreten.
Die Planungen im Vorfeld erwiesen sich jedoch als äußerst schwierig.
Man konnte schlecht voraussagen, inwiefern sich der Block füllen würde
und ob eine Choreographie aus Papiertafeln wirklich Sinn machen würde.
Wir zogen die Sache dann trotzdem durch. Aus heutiger Sicht sicherlich
mit mäßigem Erfolg, für die Zeit damals, aber mehr als akzeptabel.
300 Leute im E-Block hielten ebenso viele rote und weiße Tafeln in die
Höhe, in der Mitte ein weißes Herz aus Stoff umrahmt vom Spruchband
"Glück auf dem Aufstiegsaspiranten 1991, 92, 93, 94, 95, 96...".
Des weiteren boten wir noch mehrere Kilogramm Papierschnipsel und 5kg
Rauchpulver. Auch der Support konnte sich durchaus sehen lassen. Laut,
durchgehend, mehr als zufriedenstellend, wovon sich an diesem Tag auch
etliche angereiste Personen aus nah und fern (u.a. der Capo des
damaligen Komplott Hannovera) überzeugen konnten. Von den Gäste auf
der anderen Seite kam natürlich bis auf ein kleines Spruchband überhaupt
nichts, aber dass soll hier ja nicht thematisiert werden. Vorbereitet
wurde die gesamte Aktion von genau 6 Leuten, wobei auch viele andere aus
der Fanszene für den finanziellen Background sorgten. Nun schon als
sicherer Absteiger feststehend hätte man es niemanden verübeln können,
wenn die Motivation für größere Parties gefehlt hätte. Doch
mitnichten, der Spass fand seine Fortsetzung. Ob nun mit 70 Leuten in
Wattenscheid oder mit 80 in Cottbus. überall bot man optisch was
kleineres und konnte auch gesanglich zumeist gut überzeugen. Die ersten
5-6 neuen Gesänge hatten sich fest etabliert und sind auch heute noch
gern gesungen. Nach dem Saisonabschluss in Jena platzte man förmlich
vor Freude! 300 Zwickauer sorgten für einen lautstarken und diesmal
wirklich durchgehenden Non-Stop-Support. Es war nie mehr als auch nur
eine Minute Ruhe. Einige von uns saßen auf dem Zaun und peitschten ein.
So was hatte es noch nie gegeben. Darüber hinaus sorgten wir auch
mittels 300 Tafeln in den Vereinsfarben und 4 großen Doppelhaltern
"101% FSV) für ein ordentliches Bild. Wohl der beste Zwickauer
Support im ersten Jahr unserer Geschichte! Zwei Wochen danach folgte
dann das Sahnehäubchen! Der Verein stellte vier Busse in die man sich für
20 Mark pro Nase einbuchen konnte. Somit fuhr dann eine Partymeute von
200 Leuten gen Krefeld zum allerletzten Spiel in Liga 2! Allerbeste
Laune trotz Abstieg schon im "Elite"-Bus (Oilers, RK und Co.), wurde
dann im Stadion noch getoppt. 2kg Rauch, Bengalpulver, Schalrollaktionen
und total abgedrehter Support aus etwa 120 Kehlen. Dazu noch ein 34m
langes Spruchband "Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine
Frage"! Einfach nur ein genialer Auftritt zum Abschluss. Einen
Negativrekord stellte man im April übrigens auch noch auf. Nur 22
Zwickauer fanden sich an einem Mittwoch 16 Uhr zum Spiel in Gütersloh
ein, was zwar 5:0 verloren ging, aber dank der Präsenz von RK, spätestens
an diesem Tag unsere Stellung in der Szene fundamentierte! Alles in
allem eine Spielzeit an die ich mich wohl mit am liebsten erinnere.
Trotz oftmals rudimentärer Mittel gaben wir mit viel Herzblut unser
Bestes und konnten nach einem Jahr mehr erreichen als ursprünglich
erwartet!

Erwartungsvoll ging es also in unser erstes Regionalliga-Spieljahr. Mit der Gewissheit
der geilen letzten Rückrunde im Rücken konnte ja eigentlich nichts
schief gehen. Die Gruppe war halbwegs gefestigt und auch in der Szene
akzeptiert, sinnlose Normalos würden nun den meisten Spielen
fernbleiben also praktisch optimale Voraussetzungen, um jetzt weiterhin
richtig aufdrehen zu können. Doch Fehlanzeige.
Ob nun das Heimspiel
gegen Croatia Berlin, oder auch auswärts in Babelsberg und beim BFC war
total der Wurm drin. Die Euphorie der letzten Saison schien verpufft,
die Ziele die man sich gesetzt hatte, nun wieder unerreichbar fern.
Einzig beim genialen 3:2 Heimerfolg gegen den VfB Leipzig oder beim
Pokalspiel gegen Bochum konnten wir halbwegs überzeugen. Trotzdem
ebneten die damals vollzogenen Veränderungen Tür und Tor für den aus
heutiger Sicht, Erfolg und Standfestigkeit unserer Szene. Waren die Auswärtsspiele
in der 2. Bundesliga oftmals nur mit Bus oder Auto zu erreichen,
organisierte das Fanprojekt von nun an Zugfahrten zu allen Spielen in
der Fremde. über die lokale Zeitung oder Aushänge im Stadion, wurden
vor jedem Auswärtsspiel die Abfahrtszeiten bekannt geben und so bürgerte
sich dass ein, was zu DDR-Zeiten eh und je gang und gebe war. Das
Zugfahren. Noch heute, nämlich 7 Jahre nach dieser "Maßnahme" verläuft
das Ganze nach gleichem Muster. Welch großen Dienst man der Fanszene
damit erwiesen hatte, wurde allen Beteiligten wohl erst viel später
bewusst. Durch die nun regelmäßigen Touren durch den Osten der
Republik, kamen sich viele Leute aus der Szene, die wohl sonst nur
wenige Worte miteinander gewechselt hätten, näher. Die Europhie rund
um den Verein nahm ab, die Anzahl der Auswärtsfahrer sank und zurück
blieb ein Mob von 100-120 Leuten, der nun allwöchentlich etlichen
Stunden miteinander verbrachte und zusammenwuchs. Schnell wurden so
Vorurteile abgebaut und einer Abkapselung des Ultrahaufens vom
restlichen Fanmob kam gar nicht erst auf. Man lernte die Meinungen des
anderen zu respektieren und so mache Diskussion über änderungen und
Neuerungen jedweder Art, brachten uns etliche Schritte voraus. So
verlief also der erste Teil der Hinrunde eher wenig befriedigend, dafür
wurde aber ein sicheres Fundament für die Zukunft geschaffen, was uns
nur leider damals auch nicht fiel half bzw. unsere Situation nicht
unbedingt verbesserte. Eher lahme Kicks wie beim Pokal in Neugersdorf,
folgte hin und wieder ein Highlight, wie in Stendal, doch es blieb immer
noch vieles Stückwerk. Möglicherweise mangelte es den Protagonisten
auch noch etwas an Reife und Feingefühl, nach etwa 2 Jahren Aktivität
aber auch nur zu verständlich. Es war die Zeit, zu der sich auch eine
weitere Gruppe in Zwickau gründete, die jedoch des Anfangs mit viel
Argwohn betrachtet wurde. Anfängliche Missverständnisse und
Diskussionen, konnten nur bedingt beiseite geschoben werden, zumal sich
die Gruppierung "Commando 46" selbst nicht klar definieren konnte
und somit ein zusammenarbeiten im Grunde nicht möglich war. Lange hielt
sich dieses Bündnis dann aber auch nicht, nach knapp einem Jahr löste
sich die Gruppe wieder auf und von den ehemaligen Mitgliedern sieht man
heute keinen einzigen mehr im Stadion! Viel Unruhe also vor dem ersten
echten Derby im Schacht seit dem Mattenbrand im März 94. Schon Wochen
vorher gab es bei uns nur ein Gesprächsthema. Klar war, dass man sich
dort und an diesem Tag so gut wie nur möglich präsentieren musste, es
war schliesslich unsere Aufgabe, dort zu zeigen, wofür wir leben und
auf den Rängen etwas bis dahin einzigartiges zu vollführen. Und es
gelang! Um die 2.000 Zwickauer, darunter 800 per Sonderzug waren
mitgereist, die dann zu Beginn des Spiels 2.000 rote und weise
Papiertafeln emporreckten, dazu 2 große Spruchbänder "Verstrahlt,
pervers und asozial – Die Kumpel aus dem Lößnitztal" & "Eure
Eltern sind Geschwister", präsentierten. 5kg Rauchpulver verteilt im
Block zündeten und durchschnittlichen Support über die 90 Minuten samt
Vorsänger auf dem Zaun aufwarten konnten. Höhepunkt sicherlich die "uffta"
an der sich eigentlich alle 2.000 Leute beteiligten. Ein Hochgenuss und
auch heute noch bei jedem Videoabend gern angeschaut. Leider passte sich
das Ergebnis (3:0 Niederlage) phasenweise dem Niveau auf den Rängen an.
Mehrere Minuten lautstarke Anfeuerung wechselten mit eher leisen Gesängen
des harten Kerns. Alles in allem konnte man aber im Nachhinein mit
beiden Hühneraugen zudrücken, von einem gelungenen Auftritt sprechen,
doch Thema war das noch Tage danach nicht unbedingt, zu sehr drückte
die Niederlage aufs Gemüt. Die restlichen Spiele bis zur verdienten
Winterpause sind auch keine besonderen Erwähnung wert. Zusammenfassend
konnte man jetzt nicht umhin sich einzugestehen, dass die Entwicklung
der Fanszene arg stagnierte. Kaum Zuspruch an Ultra-Interessierten
Jugendlichen, immer noch zu viele Normalos im Heimblock und auch auswärts,
denen es einfach wichtiger war, während des Spiels am Bier zu süppeln
oder mit den Kumpeln zu labern, störten natürlich eminent eine
Weiterentwicklung. Selbst innerhalb der Gruppe folgten
Meinungsverschiedenheiten, da noch nicht alle verinnerlicht hatten,
welche Ziele es auch bei unattraktiven Spielen zu verfolgen galt und so
kam es hin und wieder zu den ein oder anderen Meinungsverschiedenheiten.
Das neue Jahr 1999 begann und es konnte ja nur besser werden... Es ging
jedoch erst einmal bescheiden weiter. Erstes Auswärtsspiel bei Union
Berlin. 180 Zwickauer waren dabei, zogen eine doch halbwegs ordentliche
Aktion mit Papiertafeln auf, doch in Sachen Support mühten sich die
selben 4-8 Personen einen Ast ab, bis es keinen Sinn mehr machte. Die
Wochen vergingen und Anfang April kam es dann zum langersehnten Rückspiel
gegen die Violetten Bastarde. Choreographisch galt es, das im Schacht
gebotene zu toppen und es wurde auch nicht zuviel versprochen. 3.000
Papptafeln wurden auf den Sitzbänken in Block C,D und E ausgelegt und
beim Einlaufen der Mannschaften ergab sich auf roten Untergrund ein weißes
FSV aus Papier. Toller Anblick und eine Aktion die zu 99% hingehauen
hat, wenngleich es hier und da kleinere Lücken gab, aber ohne
Sitzschalen ist eine solche Choreographie sicherlich auch eher schwierig
zu planen. Untermalt wurde das ganze durch ein Spruchband mit der
Aufschrift "50 Jahre Sachsens Stolz" und ein bisschen Pyro. Auf
Gegenseite gab es bei den 1.000 Schachtern überhaupt nix zu bestaunen.
Stimmungstechnisch waren dann beide Seiten jedoch auf dem gleichen
Level. Es tat sich nämlich nichts. Dieses Derby dürfte dann wohl als
eines der schwächsten überhaupt in die Geschichte eingehen. Woran es
lag? Nun ja, der E-Block gefüllt mit 1.000 Fans, von denen die Hälfte
wohl zum ersten Mal im Stadion war und die eben die typisch deutsche
Mentalität ins Gesicht geschrieben stand. Den Wiederaufstieg in den
bezahlten Fussball konnte man nun auch abschreiben und so dümpelte den
Rest der Saison alles so langsam vor sich hin. Einen kleinen Höhepunkt,
quasi zum Saisonabschluss bot das Heimspiel gegen die damals noch
verhassten Dresdner Dynamos. 500 aus der Landeshauptstadt mitgereiste
Fans boten ein sehr guten Auftritt mit Schwenkfahnen, Doppelhaltern,
Pyro und lautstarkem Support, so dass bei uns so mancher plötzlich aus
der Lethargie erwachte und etwa 25 Leute in einer Ecke des Blockes eine
richtig gute Show boten und endlich mal wieder etwas darstellten. Da
schauten die 250 restlichen Fans im Block aber blöd aus der Wäsche...
Alles in allem ging somit eine Spielzeit zuende, die man vielleicht als
verschenkt ansehen könnte, aber gerade solche Talsohlen gehören wohl
zum Geschäft und diese zu überstehen und zu meistern macht eine Gruppe
in gewisser Weise auch stark und wappnet sie für größere Krisen.

Da war sie also die neue Saison und die Hoffnung auf Besserung! Leider ein
Trugschluss, wie sich recht schnell herausstellen sollte. Die ersten
Spiele waren so lala, ohne besondere Höhepunkte, aber auch ohne von
einem Niedergang sprechen zu können. Für letzteren sorgte dann jedoch
unsere Mannschaft.
Ein grottenschlechtes Spiel reihte sich ans nächste
und ausgerechnet in jener Saison, in der es sich für die neue
zweigleisige Regionalliga zu qualifizieren galt. Platz 7 wäre nötig
gewesen, doch bereits Mitte der Hinrunde rangierten wir ganz unten.
Peinliche Heimniederlagen gegen Halle 96 und Altmark Stendal liessen die
Volksseele im Stadion kochen. Zum ersten Mal seit Jahren verfolgten nur
noch knapp über 1.000 Zuschauer die Heimspiele. Waren in der ersten
Saison nach dem Abstieg selbst gegen Spandau und Croatia Berlin noch um
die 2.500 Zuschauer im Westsachsenstadion, so zeigte sich jetzt das
Desinteresse der Zwickauer Bevölkerung am Fussballsport in ihrer Stadt.
Die einen protestierten also in dem sie nicht mehr ins Stadion gingen,
die anderen verschafften sich mit Spruchbändern Gehör. Doch im
sportlichen Bereich änderte sich bis zum Ende der Hinrunde nichts.
Tabellenplatz 18 sprang heraus! Einen viel besseren Platz hätte unsere
Szene allerdings auch nicht verdient gehabt. Zu den letzten Heimspielen
gab es nicht mal mehr einen richtigen Fanblock, Anfeuerung gleich null.
Die Zeichen standen auf Protest. RK zerschlug sich äußerlich. Als
temporären neuen Standort, wählte man den Sektor direkt neben dem Gästeblock,
pöbelte dort etwas und zeigte somit wenigstens etwas Präsenz. Von den
Zielen, die man sich aber noch vor genau zwei Jahren gestellt hatte, war
man nun soweit entfernt, wie Nordkorea von einer demokratischen
Staatsform. Es herrschte eine richtig schlechte Stimmung in der Szene,
woran man gut erkennen konnte, wie sehr man doch vom sportlichen (Miss)Erfolg
seiner Mannschaft abhängig war. Von vormals drei Fanzines (Haldenfuwo,
Stahltribüne und E-Block-Vision) erschien nun kein einziges mehr. Als
einziges Highlight konnte man wenigstens dass Spiel im Schacht ansehen,
wo man mit einem recht kleinen Mob von 800 Leuten, sportlich zwar wieder
unterging, dafür aber mit Doppelhaltern, etlichen Bengalen und einer
recht guten Stimmung, sogar mehr als nur ein Achtungszeichen setzen
konnte. Erneut hatte man den Kampf gegen die Feinde gewonnen, Balsam auf
die Wunden der Fanseelen. Der Winter war vorbei und mit gemischten Gefühlen
gings an die letzten 17 Spieltage in der Regionalliga, bevor die
Oberliga Nordost unser neues Domizil werden sollte. So richtig wusste
man nicht, wie man mit der Situation umgehen sollte und so kam es, dass
zum ersten Auswärtsspiel bei Union, unter den 150 Zwickauern nur 2 RKs
waren. War das nun der entgültige Dolchstoss eines schleichenden
Untergangs? Hätte man meinen können... Die nächsten Auswärtsspiele
liessen schlimmes vermuten. überraschenderweise jedoch feierten 40
Zwickauer an einem Freitag bei TeBe Berlin eine gnadenlose Party und
auch 2 Wochen darauf, waren im nahen Erfurt zwar nur 60(!) Leute dabei,
diese jedoch mit ordentlichem Singsang. Wie das? Etliche Abgänge von
satten Profis in der Winterpause, neue erfolgshungrige Eigengewächse,
denen trotz nicht immer prickelnder Leistungen der Spass am Fussball
anzusehen war, sorgten auf den Rängen allmählich für neuerliche
Hoffnung. Gut, die Saison war gelaufen, allerdings half das ständige Trübsal
blasen nun auch keinem wirklich weiter. Im April 2000 folgte dann die
Widerauferstehung. Mit einem Mal ging ein Ruck durch RK. Man schwor sich
wieder da anzuknöpfen, wo man vor über einem Jahr aufgehört hatte und
mit richtig neuem Schwung das Feld von hinten aufzurollen. Das Potential
was in den 4-5 Leuten schlummerte ungenutzt zu lassen, konnte es ja nun
wirklich nicht sein. In einem Hang von übermut wurden nun drei neue
Riesenschwenker hergestellt.
Noch heute denkt sich jeder mit einem Lächeln
daran, wie die Teile voller Enthusiasmus, unter dem mitleidigen Blicken
etlicher Anwohner, in einem Eckersbacher Hinterhof probegeschwenkt
wurden... Doch mit den drei Fahnen wars natürlich noch nicht getan,
denn auch im Stadion galt es zu überzeugen. Und das klappte! Wie Phönix
aus der Asche erkämpfte man sich im Block nun wieder die Oberhand und
riss die restlichen 200-250 dort stehenden Fans mit. Neue Lieder wurden
intoniert und mit großen Spruchbändern wie gegen Babelsberg
"Willkommen in Hollywood Ihr Nachwuchsschauspieler" auch gezeigt,
wie die neue Curva Kaos nun wieder mit Leben erfüllt war. Noch jetzt,
wo ich diese 4-5 Wochen der Neuordnung und Euphorie an mir vorbeiziehen
lasse, steigt in mir ein Wohlgefühl auf und ich spüre die damalige
Begeisterung. Auch auswärts war man jetzt wieder auf dem Dampfer, ob
Riesenparty in Stendal oder Choreographie bei Chemie, wie waren wieder
wer, nämlich Ostens Ultraszene Nr.1! Getragen auf dieser Welle, konnte
beim vorletzten Heimspiel der Saison gegen den Erzfeind aus dem Schacht
eigentlich wenig schief gehen... Ursprünglich sollte es optisch nichts
großartiges geben, zu wenig konnte man einschätzen, inwieweit sich der
Block füllen würde, zu groß das Risiko mit einer von langer Hand
geplanten Aktion am Ende alles falsch zu machen. Doch einen Tag vorm
Spiel packte uns die innere Unruhe. Es musste was her, egal ob
unausgegoren oder nicht. Uns so wurden eifrig und schnell hunderte
Papiertafeln besorgt, große Doppelhalter erstellt und ein Spruchband
gepinselt und schwupps, war sie fertig, die Aktion, welche dann zum
Einlaufen beider Mannschaften vom restlichen Zwickauer Publikum
beklatscht wurde. Die rund 400 Leute in der Curva Kaos hielten mittig
rote und an den Außenseiten weiße Tafeln nach oben. Am Blockende
wurden 9 Doppelhalter mit der Aufschrift Z-W-I-C-K-A-U und zwei
aufgemalten Herzen emporgereckt. Unten prangte das Spruchband, als
Synonym für die gesamte Saison: "Erfolg ist vergänglich, - Liebe
nicht". Für damalige Zeiten, eine Choreo die sicherlich nicht nur in
hiesigen Breitengraden für Anerkennung sorgte, immerhin waren wir
abgeschlagen Tabellenletzter. Das von der Gegenseite nichts
entsprechendes kam, sorgte für wenig überraschung. Weiterhin wurden
etwa 300 Kassenrollen geworfen und mit dem Abbrennen von 20 Bengalen und
etwa 10 geklauten Auer Schals gabs in der 2. Halbzeit somit noch weitere
optische Highlights. Aber auch in Sachen Support hatte man einen
Glanztag erwischt, wie einem später von vielen neutralen Beobachtern
bestätigt wurde. Durchgehend, doch recht kreativ und auch lautstarke
Anfeuerung während des Spiels. Als zeitweise sogar bis zu 300 Leute mit
dem Rücken zum Spielfeld am kollektiven Hüpfen waren, kämpfte so
mancher der Protagonisten mit den Tränen. Wann hatte es so was bisher
gegeben? Als wäre das aber noch nicht zuviel des Guten, sorgte der
Zwickauer Nachwuchsspieler Sebastian Arzt in der 87. Minute für den 2:1
Siegtreffer. Torjubel, ja! Torjubel nach nie erwarteten Toren, ja. Alles
schon erlebt, doch dieser Pogo setzte dem ganzen die Krone auf.
Unglaublich, was nun bei uns los war. Soviel Glücksseligkeit auf
engstem Raum, hatte es wohl bisher selten gegeben. Ein unvergesslicher
Tag und sicherlich eines der schönsten Derbies in meiner Fankarriere.
Somit fand diese Saison doch noch einen versöhnlichen Ausklang!

Nun
waren wir also wieder da angekommen, wo der "Aufstieg" des Vereins
im Jahr 94 begonnen hatte. Die Oberliga hatte uns wieder. Wenigstens hörten
sich die Gegner nicht so trostlos an, wie damals, denn mit Magdeburg,
Halle, Dynamo, Leipzig und meinetwegen auch Plauen, waren immerhin
etliche Kandidaten, die fantechnisch ordentlich was versprachen.
Versprochen hatten wir uns auch viel von der Saison. Den Aufwärtstrend
aus der letzten Halbserie galt es mit über den Sommer zu bringen, was
auch eigentlich ganz ordentlich gelingen sollte. Die ersten beiden
Spiele beim VfL Halle 96 und zuhause gegen Dessau waren noch typische
Durchschnittkost, ehe dann ein genialer Abend in Leipzig folgte. Die
Partystimmung aus dem Bussen nahmen dann gut 200 Zwickauer auch gleich
ins Stadion mit, wo der "Uffta-Gott" das Spiel über auf dem Zaun
sitzend, die Meute dirigierte. Durchgehend laute Lieder, hüpfen, mit Rücken
zum Spielfeld, alles war dabei. Ein Auswärtssieg sprang am Ende auch
raus und so waren wir Tabellenführer. Geil! Ein Sieg und eine
Niederlage zuhause gegen Dresden-Nord bzw. in Riesa folgten und dann kam
das legendäre Spiel in Halle. Auswärtssieg, 150 Zwickauer an diesem
Freitag vor Ort, Bengaloweitwurf (inkl. Ein gut aufgelegter Mewes der
das Teil während des Spiels aufhob, 2-3 Mal rumschwenkte und dann
wegwarf), 10-15 Hallenser die kurz vorm Schluss plötzlich in unserem
Block auftauchten und den lauten markierten, daraufhin übelst
hinausgetreten wurden, Sturmversuch von draussen, von etwa 200-300
Hallensern, Evakuierung durch die Polizei übers Spielfeld, erneutes
Anrennen von 10 Leuten auf gleich viele Hallenser, Erbeutung einer
HFC-Vereinsfahne, während des Herausführens aus dem Stadion durchs
Tribünentor plötzliche Attacke von 10-20 Halle-Hools von beiden
Seiten, übelste Panik und Flucht bei uns, und malträtierte Zwickauer
Autos nach Spielende, waren Garanten für einen der wohl
erlebnisreichsten Spiele der FSV-Neuzeit. Noch Wochen später gab es nur
dieses eine Gesprächsthema. Für manche, das Paradebeispiel für den
perfekten Ablauf eines Fussballspiels. Leider versprachen die Gegner der
nun folgenden Wochen eher weniger Action und so geschah bei Spielen wie
gegen Zittau, Hoyerswerda oder in Bischofswerda (2 Mal binnen einer
Woche, dank Pokal), eher weniger, bis auf das Heimspiel gegen
Sondershausen, wo wir die für damalige Verhältnisse optisch größte
Zaunfahne des Ostens präsentierten. Ab da sollte auch visuell auf 25x3
Metern verdeutlicht werden, unter welchem Einfluss die Kurve steht.
Fussballerisch war die Saison dann spätestens nach der 4:0 Klatsche in
Dresden gegessen, wobei außerhalb des Spielfeldes, ein überaus
interessanter Tag wartete. In Sachen Stimmung versagten wir als Gruppe
heute total. Es gelang eigentlich zu keiner Zeit, den 250 Zwickauern
ordentliche Gesänge zu entlocken und als dann auch noch eine geplante
Pyroshow mit über 20 bunten Rauchfackeln total daneben ging, war die
Laune am Boten. Aufgrund von Zwistigkeiten innerhalb der eigenen Reihen
wurde Mitte der 2. Halbzeit auch die Fahne abgehangen. So was hatte es
bis dato noch nie gegeben und auf der Heimfahrt wurde arg darüber
diskutiert, es mit der Gruppe vielleicht doch gut sein zu lassen, woraus
aber (zu früh gefreut, hähä) letztlich natürlich nichts wurde. Die
Gemüter beruhigten sich wieder und bereits 6 Tage später zum
Flutlichtspiel war der Support in der ersten Hälfte 1A und auch die
Pyroshow mit 20 Bengalen war Balsam auf die Wunden der Vorwoche. Beim nächsten
Spiel in Cottbus geschah aufgrund von Abwesenheit der IC-Leute nicht
viel, dafür aber umso mehr das Heimspiel darauf gegen Magdeburg.
"Eine Mannschaft mit Kraft und Glaube, für eine Kurve gefangen in
ihrer Treue" war auf fetten Lettern zu Lesen, darüber prangten rote
und weisse Plastikstreifen, was ein ansehnliches Bild abgab. Obwohl die
200 Leute in der Curva heute gut drauf waren, hatte man den super
aufgelegten Magdeburgern nicht viel entgegenzusetzen, in Sachen Lautstärke
war den 800 Gästen einfach nicht Paroli zu bieten. Und schneller als
schnell war die Hinrunde damit gegessen, lediglich das Spiel in
Nordhausen wartete noch auf uns. Unter normalen Umständen eher der
Kategorie Laaanggweiliisch zuzuordnen, sollte an diesem Tag der Punk
toben! Einen 7:0 Auswärtserfolg in einem Punktspiel, nicht viele Anhänger
eines Vereins werden wohl jemals in ihrem Leben in den Genuss eines
solch geilen Erfolges kommen und auch für uns Zwickauer dürfte dass in
den nächsten Jahren eher utopisch sein (es sei denn, wir spielen mal
wieder in Tiefenort...). Die 85 mitgereisten Zwickauer freuten sich nen
Ast, nur Timur musste sich natürlich ausgerechnet an dem Tag vorm Gästeblock
den Finger aufschlitzten und sass derweil in einem Nordhäuser
Krankenhaus. Ich persönlich hätte wohl ab diesem Tag, den Glauben an
Gott verloren. Im Gästeblock natürlich Party par Excellenz. Ein im Gästeblock
stehender Tisch wurde als Capopodest benutzt und eben jener Capo machte
seine Sache vorzüglich (*räusper*). über 90 Minuten wurde auch nur
ohne Pause durchgesungen, gepogt, getanzt, gehüpft, Hammer! Etwaige
Versuche, den Tisch direkt mit nach Zwickau zu nehmen, schlugen leider,
aufgrund der aufmerksamen Ordnerschaft fehl... Bis dato konnte man also
auf jeden Fall ein positives Fazit ziehen. Mittlerweile erkannte man,
wer in der Kurve oder im Auswärtsblock das Kommando gab. Man konnte
deutlich die Stellung der kleinen Gruppe sehen. Kleinen deshalb, weil
bis hierhin die magische 10er Mitgliedszahl nicht überschritten hatten.
Entweder waren wir blind, oder der Nachwuchs im Stadion, denn das
Interesse an uns hielt sich bei den jüngeren Semestern in Grenzen bzw.
es war gar nicht erst vorhanden. So blieb letztlich vieles nur Stückwerk,
aber ich denke mit den wenigen 5-6 engagierten Leuten gelang es uns doch
richtig was aufzubauen. Besonders im Bereich der gesanglichen Unterstützung
legte man spätestens jetzt das Fundament für unsere heutige
Ausgewogenheit in Sachen Liedgut. Der lieben Staatsmacht in Grün blieb
die Gruppe jetzt auch nicht mehr verborgen und nach der Bengalshow gegen
Plauen versuchte man via Fanprojekt Infos über uns einzuholen. Dies
gelang überraschenderweise natürlich nicht und so beliessen es die
Jungs erst mal bei Repression in Sachen Meinungsfreiheit bzgl. Spruchbänder
und Zaunfahnen. Da unser Antrag für die Serie C2 zu spielen abgelehnt
wurde, ging es nach einer kurzen Winterpause nicht wie geplant nach
Cremona, sondern nach Grimma. Dort und auch bei den folgenden Spielen
folgte mehr oder weniger Alltagskost, aber es gelang uns eigentlich den
Support auf einem Level zu halten und fast immer konstant zu singen. Der
Beweis, dass sich hartknäckige Arbeit eben doch irgendwann bezahlt
macht. Aber auch für Negativrekorde wurde im April noch gesorgt, denn
dank eines ungünstigen Mittwoch 17.30 Termins, verfolgten nur 35
Zwickauer (darunter 7 RK), dass Spiel ihrer Nicht-Helden im 220km
entfernten Zittau. Seit Gütersloh exakt 3 Jahre zuvor, die geringste
Anzahl an Zwickauern, die jedoch bis heute nicht wieder unterboten
wurde. Ende April stieg dann noch ein lang erwartetes Highlight. Der
Gastauftritt der Dynamos im Westsachsenstadion. Die heute allseits
bekannten "Ultras Dynamo" waren damals noch in allerlei
Splittergruppen aufgeteilt, die beiden größten und aktivsten waren
wohl Commando Elbhorde und Yellow Madnes. Auf letztere richtete sich
auch unser Hauptaugenmerk, in dem wir mit einem riesigen Doppelhalter
eine Hand, die das YM-Zeichen (böse dreinschauender Kürbis) zerstörte.
Des weiteren wedelte der ganze Block mit 200 roten und weissen Fahnen
und auch eine kleinere Aktion mit Vereinszeichen und Spruchband gabs
obendrein. Organisiert wurde diese von 2-3 Personen, aus denen sich im
Laufe der darauffolgenden Wochen die Haldenfreaks gründeten. Im Gästeblock
gabs ein Spruchband mit raffinierter "Große Zaunfahne nichts
dahinter"-Aufschrift, 500-800 Fähnchen in Vereinsfarben, sowie guten
Support. Die in letzter Zeit durch die einschlafende Hooliganbewegung
arbeitslos gewordene Polizei, nahm uns am Eingang leider einige
vorbereitete Spruchbänder a la "Stationen des Untergangs" -
"1995-Euer Verein" - "1995-2000 Eure Fans" -
"6.4.2001 Euer Ruf" und "28.04.2001 Eure Ultras" weg,
aber wo keine Arbeit ist, macht man sich eben bekanntlich welche. Gleich
eine Woche später sorgten wir in Plauen mit 22 Bengalen die allesamt
auf der Tartanbahn landeten und 500 Leuten für geilen Support. Gleich
viele Mitgereiste, wie 3 Tage zuvor in Grimma. Wo man den Einzug ins
Sachsenpokalfinale und somit das Finale gegen die Schachter feierte.
Zuvor gabs noch einen stimmungslosen Auftritt bei Dresden-Nord mit nur
37 Zwickauern (darunter 6 RK), ehe es am 16.5.01 wieder einmal soweit
war, das Derby stand an! Hatte sich in der Saison der
Zuschauerdurchschnitt bei etwa 1.200 Besuchern eingepegelt, so
verfolgten das Heimspiel gegen die Amateure aus Cottbus gerade mal 601
Getreue, ehe dann an besagtem Derbytag immerhin die Zehnfache Anzahl
Eintritt löhnte, darunter jedoch ca. 1.500 Verstrahlte. Viele Worte
braucht man über das Spiel jedoch nicht zu verlieren. Einer wirklich
sehenswerten Choreographie, die diesmal unter dem Zeichen von Red Kaos
stand, in dem man eine RK-Blockfahne, rote-weisse Fähnchen daneben,
goldene Tafeln oben und großes Spruchband "Eine Gruppe ein Glaube –
Ultra" aufzog, folgte gnadenlos schlechter Support. Es gelang nicht
mal annähernd auch nur einmal das zu zeigen, wozu man normal im Stande
ist. Höhepunkt des Spiels dann, als zwei Zwickauer fünf Minuten vor
Schluss dann einige Meter über den Platz rannten, die "Fanclub Zwönitztal"-Fahne
vom Zaun rissen und so schnell sie gekommen waren, unter den Gerüsten
der Stahltribünen auch wieder verschwanden. Nach etwas Pyrotechnik, stürmten
dann etwa 300 Schachter nach gewonnenem Finale den Platz und um die
100-150 natürlich provozierend vor unseren Block. Etliche Zwickauer
rannten natürlich nun nach unten, jedoch kam es zu keinerlei direkten
Kontakt mit dem Feind, da sich niemand traute den trennenden Zaun zu überwinden,
verständlich. Dafür folgte ein minutenlanger Austausch von allerlei
Wurfgeschossen. Mehrere Bengalen landeten auf den Violetten, ganze
Sitzbankreihen wurden aus der Verankerung gerissen und flogen nach unten
und unzählige Fahnenstöcke segelten durch die Lüfte, bis dann
irgendwann die scheinbar schlafenden Cops dem Treiben ein Ende setzten.
Trotz allem ein eher misslungener Derbytag. Zum letzten Auswärtsspiel
der Saison fuhren gerade mal noch 55 Zwickauer mit, darunter 43 mit der
Bahn. Und wie immer, wenn man unter sich ist, klappts dann mit dem
Support wie am Schnürchen. Tadelloser Singsang über die komplette
Spielzeit. Somit näherte sich eine sehr interessante und ziemlich
ereignisreiche Saison ihrem Ende entgegen. Obwohl es hier und da zu
Zwistigkeiten innerhalb der Szene, aber auch innerhalb der Gruppe gab,
konnte man seinen Standpunkt festigen, sich einen gewissen Ruf
erarbeiten und teilweise das Umsetzen, was man sich vorgenommen hatte.
Vom westdeutschen Einheitsbrei, der damals noch Umbrotragend
Schuhparaden vollführte und kiloweise Rauch in die Luft jagte, konnte
man sich gekonnt abheben. Anstatt Collagen tauschte man in Zwickau
Zaunfahnen und Schals und vergrößerte die Sammlung mit Teilen wie "Commando
Ostsachsen – Alte Kameraden" oder der legendären
"Stringtangafront Stendal" erheblich.

Die neue Saison hatte noch gar nicht richtig begonnen, da folgte schon die
erste Sensation. Red Kaos ist neuerdings befreundet mit den Ultras
Dynamo. Bum! Ein nicht nur für die Zwickauer Fanszene sehr gravierendes
Ereignis. Wie es dazu kam, wird auch heute noch gern und oft gefragt.
Spektakuläres zu erzählen gibt aber eigentlich nicht.
Schon lang
pflegte man (in dem Falle der Autor dieser unendlichen Geschichte) gute
Kontakte nach Dresden, die man erstmals im Dezember 98 knüpfte. Im März
weiteten diese sich dann zu weiteren Personen aus und aufgrund der
privaten Freundschaft lief man sich nun bei Fahrten durch Dresden oder
gemeinsamen Reisen nach Polen, öfters über den Weg. Spätestens im Mai
war man dann auch im K-Block zu Dresden geduldet. Es folgten einige
gemeinsame Fahrten zu diversen Spielen im Osten, wo sich auch andere
Teile beider Szenen kennen lernten. Spätestens als wir mit 4 Leuten die
Dresdner bei ihrem Amateure-Spiel in Auerbach unterstützte war klar,
dass sich was ändern würde. So nahmen wir dann eine im Juni
ausgesprochene Einladung zum Testspiel gegen Nürnbergs Amateure in
Dresden an. Mit fünf Leuten und Zaunfahne im Gepäck gings mit mulmigen
Gefühl in die Landeshauptstadt. Tief im innersten hatte sich ein jeder
schon von unserer Fahne verabschiedet, doch geschah natürlich nichts in
der Richtung. Gemeinsam feierte und laberte man den lieben langen Abend
in geselliger Runde und ab da war klar, ULTRAS DYNAMO RED KAOS! Die
Basis für eine jahrelange Freundschaft war erschaffen. Spötter
behaupteten zwar, wir wären das Bündnis nur eingegangen, um uns vor
feindlichen übergriffen zu schützen, doch betrachtet man die
Geschichte und die damaligen Ereignisse genauer, so stellt sich eine
solche These als totaler Nonsens heraus. Von nun an war nix mehr wie es
war... Bereits zum ersten Heimspiel gegen die Chemiker aus Leipzig
wurden wir von 20 Dresdnern unterstützt. Was in der Zwickauer Fanszene
daraufhin los war, kann sich jeder vorstellen! Da war also die
mittlerweile aktivste Gruppe in der Kurve plötzlich über den Sommer
hinweg mit einem der ärgsten Rivalen überhaupt verbandelt. Viele
verstanden nun die Welt nicht mehr und es dauerte einige Zeit, bis auch
der letzte verstand, dass es sich um keine Gruppenübergreifende
Freundschaft handelte. Allen Argwohn machten wir dann bei grad erwähntem
Spiel wieder wett, in dem uns die Dresdner stimmlich prima unterstützten
und wir somit einen guten Support ablieferten. Liebevolles
Spruchbandbattle mit den Diablos inklusive! "IHR HABT ZWAR DIE
ROTEN KAOTEN - WIR DAFüR KAOS IM VEREIN" drüben, EIN GURU ALLEIN
MACHT NOCH LANGE KEINEN SOMMER" auf unserer Seite. Nach dem Spiel
hatten wir dann plötzlich die "Fanclub Liverpool"-Fahne in den Händen,
die jedoch später, aufgrund guter Kontakte der Oilers zu jenem Fanclub
hin, wieder zurückgegeben wurde. Die kommenden Gegner waren
durchschnittlich, die Ereignisse auch und nicht sonderlich erwähnenswert.
Oberligaalltag allenthalben. Interessant sollte es dann im September
werden, als unser erstes Gastspiel mit der frischen Freundschaft im Rücken,
stattfinden sollte. Etwa 100 Zugfahrer fast komplett mit Sonnenbrille
und Kapu bekleidet, liefen mit ausgebreiteter RK-Fahne die Lennestrasse
entlang. Da staunte das Dresdner Fanvolk nicht schlecht und sicherlich
noch mehr, als im K-Block ein Spruchband mit "ganz Deutschland hasst
uns" und im Gästeblock das entsprechende Ende "aber wir halten
zusammen! DU+RK" hochgehalten wurde. Nach Spielende das erwartete
Bild. Etliche Dresdner die uns an die Wäsche wollten, Zwickauer Altfans
die gut am pöbeln wären und wir liefen gelangweilt mit und tauschten
allerhand Grussignale mit den UDs aus. Die Bewährungsprobe war also
bestanden! Eine Woche später folgte das nächste Highlight, nämlich
das gegen den HFC. Einer unserer schönsten Choreos (Straße die zum
Europapokal führt, rote und weisse Bahnen, samt aller EC-Gegner auf
riesigen Doppelhaltern, sowie dem Spruchband "Kämpft wie die alten
Helden für eine glorreiche Zukunft") folgte ein Support der mir ganz
gut gefallen hat, leider aufgrund der immer mehr schwindenden Masse im
Block, viel zu leise. Fussball-Zwickau hatte sich mittlerweile vom FSV
verabschiedet. Im Stadion fanden sich nur noch die letzten Getreuen ein
und selten erreichte die Zuschauerzahl die 1.500er Grenze und dass auch
nur dann, wenn’s gegen einen alten Rivalen ging, der eine stattliche
Anzahl an Gästen mitbrachte. Heimspiele wie gegen Braunsbedra, Grimma
oder Riesa fanden nur noch vor 700-900 Zuschauern statt. Das hatte
logischerweise auch Auswirkungen auf unsere Kurve. Konnten wir uns
vorher noch auf immer 250-300 Leute im Block berufen, warens jetzt
teilweise nur noch 100-150, die sich regelmäßig zum 90minütigen
Sing-Sang einfanden. Normal wäre man jetzt langsam auf verlorenen
Posten gewesen, denn für die Zukunft einer 8köpfigen Gruppe, ist so
was wohl eher ein Zustand, den man weniger optimal bezeichnen würde.
Aber wir hatten im Sommer vorgesorgt und es fanden die änderungen
zweiter Teil statt. Nach dem wir in der Vergangenheit so oft gerätselt
hatten, wieso sich niemand von sich aus für den Ultra-Kult begeistern lässt,
drehten wir den Spiess einfach um, und warben kurzerhand neue
Mitglieder, in dem wir einige Leute, die wir über längere Zeit
beobachtet hatten, ansprachen. Fast alle Neu-Mitglieder (um die 5-6)
erwiesen sich als Volltreffer und gaben der Gruppe einiges an frischen
Wind und vor allem Tatendrang. Auch im Nachwuchsbereich tat sich, jedoch
ohne unser Mitwirken, etwas. Die Gruppe Haldenfreaks wurde um einen sehr
engagierten Nachwuchsfan gegründet. Mit großer Hoffnung und auch
Freude, dass sich nun auch mal in diesem Bereich was tat, wartete man
auf die kommenden Ereignisse. Leider wars dann um die junge Gruppe doch
nicht so gut bestellt und ein ständiges Kommen und Gehen der Mitglieder
sorgte für Unbeständigkeit, die der Szene nicht viel nützte. HF
lebten also einfach am Rande der Fanszene mit, ohne jedoch für großes
Aufsehen zu sorgen. Weitere Gruppen oder ähnliches gab es damals wie
heute jedoch nicht. Es fiel aber auf, dass die Meute, die dem FSV
weiterhin treu war, immer kleiner wurde. Alteingesessene Fanclubs, wie
Immersteif (an deren Stelle ihr Nachwuchs um die "Gruppo Schedewitz"
trat), Alte Sachsen oder Sachsenruler dankten ab und auch die Zeit der
Schwansinnigen war so langsam vorüber, obwohl die ja noch in unserem
Alter waren. Zurück blieben die Oilers, Feuertaufe, einige Einzelkämpfer
und eben wir! Ende des Jahres zum Heimspiel gegen Jena folgte dann mal
wieder ein Hingucker. Die für meine Begriffe bis heute noch beste
Choreographie im Westsachsenstadion zeigten wir zum Heimspiel gegen
Jena. "Unsere Stadt-Unser Verein-Unsere Liebe", Plastikbahnen,
Skyline auf Folie und das Vereinszeichen auf Papierbahnen sorgten für
einen genialen Anblick, der zurecht vom Rest des Stadions mit mächtig
Applaus gezollt wurde. überraschend tauchte sogar Zwickaus damals
heimlicher Präsident Binder bei den nächtlichen Malarbeiten auf und
staunte nicht schlecht, dass sich 25 jugendliche 3 Uhr nachts am
Wochenende in einer staubigen Halle zum Basteln einfinden. Vielleicht wäre
eine derartige Aktion auch mal für die hiesige Polizei eine überlegung
wert, denn dann könnte man mal sehen, mit welchem Teil der deutschen
Jugend etwas falsch läuft und anstatt alles anders seiende am Spieltag
dann zu schikanieren, aufgrund von bloßer Unwissenheit, würde man so
sehen, was doch hinter dieser Lebenseinstellung steckt. Aber derartige
Forderungen sind weissgott zuviel verlangt, da müsste man sich ja mal
intensiver mit einer Thematik befassen und über den Tellerrand schauen.
So lässt man sich lieber vom verlogenen deutschen Staatsgefüge die
Befehle geben und führt sie pflichtschuldig aus, wundert sich aber,
warum am Ende das Gewaltpotential überall steigt. Dies aber nur am
Rande... Bei gleichem Spiel hatten wir auch eine Neuerung in Petto, denn
das erste Infozine auf ostdeutschem Boden erblickte die Stahlrohrtribünen.
Azione Kaos war geboren und konnte bis auf eine halbjährliche Pause,
bis heute noch ungebrochen am Leben erhalten werden. Mittlerweile ist
das Heftchen aus der Zwickauer Fanszene wohl nicht mehr wegzudenken und
eine außerdem eine weitere willkommene Möglichkeit meinen
Lieblingsordner ("Orrr was ihr jedes Mal mit anschleppt, hast
geheeerrt") immer und immer wieder gleichen Spruch zu entlocken!
Hinrunde passe, Rückrunde Ole! Leider nein, zumindest der sportliche
Part war bald schon nicht mehr schön, die Leistungen unserer Kicker
nicht mehr auszuhalten. Kaum dachte man an einen Aufschwung nach einem
Auswärtssieg, folgte entweder ein Unentschieden oder gar eine
Niederlage gegen eine Bauerntruppe nach der anderen. Grad mal ein oberer
Mittelfeldplatz kam am Ende bei rum und nach genau 9 Jahren, nämlich im
Mai, wurde der Zuschauernegativrekord vom damaligen Heimspiel gegen
Weimar (402 Zahlende) gebrochen. Nur noch 342 Zahlende wollten die
Partie gegen Zittau sehen. Witzigerweise sahen diese dann allerdings
einen unserer besten Supports überhaupt. Komisch, bei welchen Spielen
es manchmal schafft, sich in einen absoluten Rausch zu singen. Nicht ein
einziges Lied wurde in der ersten Halbzeit wiederholt. Somit hatte man
endlich das erreicht, worauf man seit Jahren hingearbeitet hatte. Trotz
aller sportlicher Tristesse, hatten wir besonders in der Fremde gute
Auftritte. 67 Leute total geschlossen stehend in einer großen Kurve wie
in Zittau mit Non-Stop-Gesängen, Halligalli in Gotha mit einem
Kuttencapo(...) usw. Die Auswärtszahlen jedoch waren auf einem
Rekordtief, besonders zum Ende der Rückrunde hin. 52 in Hoyerswerda, 42
Mittwochs in Neugersdorf, 46 erneut Mittwoch, in Halle und auch nur 100
zum Saisonabschluss in Jena. Aber das machte eigentlich keinem was aus.
Schon längst war die ganze Szene zu einer einmaligen Gemeinschaft
zusammengewachsen, fast schon eine Familie. Keine Ahnung, wie das in
anderen Fanszenen so abläuft, aber in Sachen Einigkeit wars hier schon
was ganz besonderes! Auch in Sachen Freundschaft gab es Neuerungen.
Neben den zahlreichen Besuchen in Dresden, erstarkten die Kontakte nach
Gera und da die Jungs scheinbar kein zuhause zu haben schienen und immer
wieder auftauchten (*g*) wurden sie kurzerhand zu unseren offiziellen
Freunden, wobei die Freundschaft von der kompletten Szene getragen
wurde/wird, hervor tun sich hierbei besonders die Oilers. Aber das war
noch nicht alles, denn durch Zufall gerieten wir bei einem Besuch in
Ungarn mit den Red Blue Devils aus Szekesfehervar (eine geniale Gruppe,
die uns natürlich Lichtjahre voraus ist) in Kontakt. Leider ist die
Entfernung doch etwas enorm, trotzdem schlugen am Ende einige Besuche zu
Buche, wobei unsere Unterstützung in Budapest (MTK) besonders in
Erinnerung haften blieb, da man uns sogar bat dort die RK-Fahne aufzuhängen.
Mit der Zeit sensibilisierte sich auch das Thema, Freundschaft mit den
Ultras Dynamo innerhalb der Fanszene und aufgrund der zahlreichen
Besuche, waren fast alle gezwungen sich mit dem Thema auseinander zu
setzen. Die Dresdner waren mittlerweile geduldet, Anfeindungen gabs überhaupt
keine mehr, so mancher zählte schon fast zum harten Kern der Zwickauer
Szene aufgrund seiner häufigen Anwesenheit.
In Sachen Fanszene und Ultraaction sollte diese Saison eine eher
durchschnittliche werden. Große Steigerungen waren langsam nicht mehr
drin, man hatte ja schon eine Menge herausgeholt, aber irgendwann sind
jedem seine Grenzen gesetzt. Mittlerweile zählten wir knapp 25
Mitglieder, eine Mädels-Gruppe namens Girls Kaos existierte auch und
die Haldenfreaks zählten mal mehr und mal weniger Mitglieder. Bei
letztere mangelte es auch weiterhin an der Beständigkeit.
Alle Naselang
gabs einen neuen Ansprechpartner oder neuerliche Pläne, die jedoch nie
in Tat umgesetzt werden konnten. Spätestens am Ende dieser Saison
konnte man das Projekt als gescheitert betrachten, aller Versuche
einiger Jugendlicher, zum Trotz. Richtig zu schaffen machten einen die
schlechten sportlichen Leistungen. Einmal mehr zeigte sich, dass man
doch irgendwo vom Geschehen auf dem Rasenviereck abhängig ist. Dem kann
sich auf Dauer keine Szene entziehen, irgendwann ist der Bogen überspannt,
das berüchtigte Maß voll. Der Zuschauerschnitt lag erstmals knapp
unter 1.000, Spiele gegen die namenlosen Vereine aus Grimma, Neugersdorf
oder Gotha verfolgten kaum mehr als 500 Getreue, da kam schnell der
Frust auf. Trotzdem gelang es uns hier und da einige Glanzpunkte zu
setzen. Mit 32 mittleren Schwenkfahnen in unseren Vereinsfarben sorgten
wie in Plauen für ein geniales Bild. Die obligatorischen 20 Bengalen,
die erneut auf der Tartanbahn landeten, verstehen sich ja ohnehin von
selbst... überdurchschnittlich gut auch unsere Auftritte in Hoyerswerda
(der totale Rausch!) oder auch in Jena. Bei Heimspielen war, zumindest
in der Hinrunde, bis aufs Spiel gegen den neuen Lieblingsgegner aus
Cottbus, permanent der Wurm drin. Eigentlich nicht ein wirklich
gelungener Auftritt. Darüber hinaus krachte es auch noch mit den
Vereinsoffiziellen. Die bekamen überhaupt nichts gebacken, führten den
Verein von Woche zu Woche mehr in die Bedeutungslosigkeit und fielen
ansonsten nur durch das Schwingen leerer Phrasen auf. Da platzte dem
harten Kern in aller Regelmäßigkeit die Geduld. Höhepunkt dann, als
man es trotz zahlreicher Platzwarte nicht für nötig hielt, ein
zugeschneites Stadion zu räumen und unser Block gegen Grimma kurzerhand
geschlossen blieb. Die Folge waren dann erneute Spiele ohne jeglichen
Support, bspw. Gegen Hoyerswerda, Neugersdorf oder Dresden-Nord. Einzig
beim Heimspiel gegen Halle und Jena war die Curva Kaos sowohl optisch
als auch gesanglich präsent und dass nicht mal schlecht. Besonders das
Saisonabschlusspiel gegen Jena bot einige Schmankerl, von der Präsentation
geklauter Fahnen, über Kassenrollen, Spruchbänder ("Ultras in Jena
– HA HA HA") und einen kompakt stehenden und singenden Mob. Top auch
das Spiel beim VfB Leipzig. Nachdem man nach Cottbus zum ersten und auch
bisher einzigen Mal bis heute, einen eigenen Ultrabus organisiert hatte,
reiste die RK-Meute mit dem Zug nach Leipzig.
Während der Rest an diesem Freitag den Bussen des FPs den Vorzug gab, trafen 25 Zwickauer
kurz vorm Anpfiff am Leipziger Hbf. ein, wo bereits etwa 50 Ultras
Dynamo auf uns warteten. So zog der fast 80köpfige komplett
schwarzgekleidete Haufen dann zum Stadion, jedoch ohne Feindkontakt zu
haben. Stimmung dann Durchschnittkost, nach dem Spiel kleinere
Rennerein, dennoch ein gelungener Auftritt. Dresden war in Zwickau nun
schon längst willkommen und akzeptiert, so mancher Dynamo-Hasser von
einst, war jetzt sogar bei Spielen im Harbig-Stadion anzutreffen,
Wahnsinn! Bestens agierte in dieser Saison auch das Fanprojekt.
Plauderstunden mit Spielern und Trainer, ein auf absolut hohem Niveau
stehendes Fanzine (und dabei ist keins dieser typischen FP-Hefte
gemeint, bei deren man beim Lesen vor Langeweile einschläft, sondern
ein richtig schönes Old-School-Heft mit fast ausschliesslich
Spielberichten, auch aus dem Ausland), Turniere, Busse usw. Nun ja, eine
durchschnittliche Saison, mit vielen Tiefen und wenig Höhen, aber man
kann ja nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen...
Immer
wenn man denkt es kann nicht schlimmer kommen, dann... genau! Die nun
folgende Saison war der absolute sportliche Abgesang. Gleich zu Beginn
reihte sich Niederlage an Niederlage, der erste klein aufkommende
Protest in der Kurve fand bereits zum 2. Heimspiel gegen Dessau statt
und gipfelte beim stimmungslosen Heimspiel gegen Pössneck, als der
Trainer sich nach Spielschluss mit einem ironischen Klatschen gen
Fanblock in die Katakomben des Stadions verabschiedete. Ordentlich was
los, war somit nur bei Gegnern, die auch fantechnisch war aufzubieten
hatten, nur werden die in unserer Liga von Jahr zu Jahr weniger und so
bliebs bei fast allen Heimspielen, bis auf wenige Ausnahmen, wie eben
gegen Cottbus oder Plauen ruhig. Man schwankte zwischen Protest und
Anfeuerung. Niemand konnte die Situation so richtig einschätzen bzw.
wusste welcher wohl der richtige Weg ist. Das ganze gipfelte dann in
einer absolut sinnlosen Aktion zum Heimspiel gegen den VfB Leipzig, als
die Vereinsführung eine Wette a la "Wetten dass zum Heimspiel gegen
den VfB mindestens 5.555 Zuschauer kommen" inszenieren wollte. Natürlich
war die Aktion nicht mal im Ansatz durchdacht und logischerweise kamen
gerade mal über 1.000 Zuschauer ins Stadion... Im Fanblock wurde diese
Unfähigkeit mit allerhand Spruchbändern wie "Wetten dass Thomas
Gottschalk froh ist, sich diesen Hafer nicht antun zu müssen", "..
nicht wenigen Fans dass, was ihr Verein momentan darstellt einfach nur
peinlich ist" und "... wir nach dem Spiel wieder die altbekannten
Ausreden hören werden" quittiert. Das Band zwischen Szene und
Vereinsführung somit spätestens jetzt zerschnitten. Bereits im August
wurden bei einem Fantreffen, seitens des Vereins alles schöngeredet,
bis irgendwann die wenigen Anwesenden Anhänger im lauter wurden und
sich die Vorwürfe häuften, eine Diskussion entbrannte und die Führung
wie seit eh und je, keinerlei Kritikfähigkeit bewies. Aber es gab auch
positive Neuerungen. Nach dem Motto "was lange währt wird gut"
schafften wir es gemeinsam mit dem FP endlich unsere eigene Verkaufsbude
im Stadion aufzubauen, die nach jetzigen Erkenntnisstand sehr floriert
und von vielen gut angenommen wurde. Auswärts waren die Highlights auch
rar gesät. In Jena gab es einen 30minütigen Protest in dem der Gästeblock
komplett leer blieb, lediglich ein großes Spruchband prangte am Zaun
"30 Minuten nichts von uns – Wie die ersten 6 Spiele von euch",
ehe man nach Ablauf der Zeit bewaffnet mit Luftballons den Block stürmte
und ordentlich Rabatz machte. Zwischen 70 und 140 waren bei den normalen
Fahrten trotzdem noch dabei, was die grenzenlose Treue der Szene unter
Beweis stellte. Die Rückrunde gestaltete sich dann jedoch etwas
freundlicher. Der Support bei Heimspielen wurde wieder besser, im
letzten Spiel gegen Halle bot man eine große Abschlusschoreo mit
Sachsenring-Zeichen, sowie zwei Schwänen links und rechts, nebst
Spruchband "Wahre Klasse misst sich nicht in Ligen". Absoluter Höhepunkt
jedoch das Spiel bei den Cottbuser Amateuren, wo man sich den ganzen
angestauten Frust von der Seele sang und einen Support ablieferte, wie
man ihn wohl bisher noch nie hatte. Dürfte der mit Abstand beste
Auftritt in der Geschichte von RK gewesen sein, mehr kann man mit 80
Leuten beim besten Willen nicht anstellen. Und sonst? Nunja, der Verlust
der "Eckersbacher Fanclub Alte Sachsen"-Zaunfahne, eine der schönsten
und ältesten Fahnen Zwickaus überhaupt, wog sehr schmerzlich, jedoch
war gegen die Aktion der Lokisten in Leipzig an diesem Tag kein Kraut
gewachsen. 20 Leute stürmten während des Spiels aus den Katakomben zum
Gästeblock und rissen das Teil vom Zaun, noch ehe jemand überhaupt
reagieren, geschweige denn einschreiten konnte. Viele des harten Kerns
flüchteten außerdem zu den Spielen der 2. Mannschaft, die viel an
Sympathie gewann und durch ihren Aufstieg in die Bezirksliga auch jede
Menge Grund zum feiern bot. Bei fast jedem Auswärtsspiel war man
vertreten und dass oftmals mit über 30 Leuten. Absoluten Rekord
bedeutete die Auswärtszahl in Schneeberg, beim alles entscheidenden
Spiel, wohin das FP sogar erstmals zu einem Kick der 2. Vertretung einen
Bus einsetzte und letztlich 120 Zwickauer vor Ort waren. Das letzte
Heimspiel wurde dann mit 20 Bengalen und einer hübschen Choreo
begangen, Aufstiegsfeier mit der Mannschaft inklusive. Damit endete dann
auch diese Spielzeit, die viel ärger über Verein und Spieler brachte,
aber den Zusammenhalt innerhalb der Szene förderte. Im Strukturellen
Bereich gabs eigentlich keine nennenswerten änderungen, einige
Jugendliche kamen hinzu, andere Nicht RK-Mitglieder engagierten sich bei
Mal- und Choreoarbeiten sehr vorbildlich und konnten ihre Ideen, wie
eben gegen Halle oder bei der 2. Mannschaft sehr gut in die Tat
umsetzen.
Das war nun also meine "kleine" Einschätzung respektive Chronik der letzten 8 Jahre. 8 Jahre, die nicht nur mein Leben begleiteten, sondern es gestalteten und mit Inhalt ausfüllten. Ich hoffe der Gedanke wird auch in Zukunft von einigen weitergetragen und die Szene und Gruppe mit Leben erfüllt. Ich habe fertig!
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