Allen Besuchern des Westsachsenstadions sollte am Freitag gegen Auerbach das
Schweigen im E-Block aufgefallen sein. Diese Reaktion unsererseits war leider notwendig, um auf die
aktuellen Missstände zwischen Präsidium und der aktiven Fanszene hinzuweisen.
Die Ereignisse am Freitag, den 10.10.08
Ausgangspunkt waren einige gezündete Bengalen im Punktspiel gegen den VfB Auerbach, bei deren
Einsatz weder jemand zu Schaden gekommen ist, noch der daraus resultierende Rauch in irgendeiner Form das
Spielgeschehen beeinträchtigte. Vielmehr hob diese sinnvoll eingesetzte Pyrotechnik die Stimmung im
Stadion. Eine Geldstrafe seitens des NOFV konnte ebenso nicht notiert werden. In einer Sitzung des
Präsidiums und Verwaltungsrates, am Dienstag den 07.10.08 wurde, auch im Hinblick auf das neuerliche
Flutlichtspiel gegen Auerbach, diesmal im Sachsenpokal, beschlossen, unsere Verkaufsbude bis auf weiteres zu
schließen. Diese Entscheidung wurde uns noch am selben Abend über ein Mitglied des Verwaltungsrates
mitgeteilt. Das Präsidium als Entscheidungsträger versäumte es jedoch, uns offiziell darüber
zu informieren, und auch dem Fanprojekt, als eigentlicher "Inhaber" der Bude, wurde erst am Donnerstag auf
Nachfrage der Zustand kommuniziert. Eine Weiterleitung der Nachricht war somit erst am nächsten Tag, dem
Datum des Spiels möglich.
Eine offizielle Begründung blieb ebenso aus, wie die Information der weiteren noch folgenden
Sanktionen am Spieltag selbst. Ungeachtet der letzteren Tatsache, sahen wir uns zu keiner anderen
Entscheidung in der Lage, als die uns noch letzte verbliebene Protestform zu wählen. Unsere Stimmen.
Diese blieben somit still. Um aber unseren Protest auch zu erklären, wurden 1.600 kleine Handzettel,
die in wenigen Sätzen auf unsere Lage aufmerksam machten, erstellt und Unterschriftenlisten zum Erhalt
der Fanbude über die Traversen geschickt. Darüber hinaus waren die Flyer
des Fansmedia-Projektes, sowie ein Handzettel, der alle Interessierten zum samstäglichen
Abend im Fanprojekt einlud, im Umlauf. Leider stellte sich dann an den Eingangstoren unseres Stadions heraus,
dass der Verein nicht nur den Verkauf an unserer Bude verboten, sondern sämtliches anderes Infomaterial auf
den Index gesetzt hatte. Als privater Ordnungsdienst agierte in diesen Momenten dann die Polizei, die alles nur
erdenklich mögliche tat, um die Handzettel und Unterschriftenlisten zu konfiszieren. Auch unser beliebtes
Spieltagsfanzine, "Azione Kaos", welches am Freitag sein Jubiläum mit der 97. Ausgabe feierte und seit
beinahe sieben Jahren pausenlos erscheint, war nun plötzlich verboten. Die Überraschung, in Form
eines weiteren Genickschlages seitens des Präsidiums, war gelungen. Die Art und Weise, wie junge
Erwachsene an diesem Abend von der Polizei beobachtet, mit mobilen Kameras gefilmt und verfolgt wurden,
stellt bisher alles in Zwickau da gewesene in den Schatten. Nachdem nun schon Spruchbänder der Zensur
zum Opfer gefallen sind, wurde nun unsere vorletzte Möglichkeit der freien Meinungsäußerung
rabiat unterbunden. Nichts desto trotz sammelten wir während des Spiels fleißig Unterschriften und
hatten zum Ausklang des Abends derer insgesamt 519(!) beisammen. 519 Unterschriften (unter ihnen 92
Vereinsmitglieder) von 1.682 Besuchern, die nicht nur bezeugen, dass die Entscheidung des Präsidiums
unnötig war, sondern uns sehr viel bedeuten. Solidarität als Waffe.
Die aktuelle Lage
Leider ist es dem aktuellen Präsidium zu großen Teilen immer noch nicht gelungen sich in die Welt
der Fans und Ultras hineinzudenken. So wird ein Flyer für den Fanszenetreff im Fanprojekt mit einem Aufruf
zur Beteiligung an einer Demo des "Freien Netzes Zwickau" tags darauf gedeutet, ein Mitarbeiter des Fanprojektes
als Fanbeauftragter (welche bekanntlich in Diensten des Vereins stehen und auch von ihm bezahlt werden) gesehen
und nicht verstanden, dass die Meinung der aktiven Szene nicht immer die gleiche, wie die des Präsidiums sein muss.
Stattdessen wird bei jeder Kleinigkeit der vielzitierte Teufel an die Wand gemalt, die positiven Eindrücke
von zahlreichen Wochenenden jedoch wenig bis gar nicht wahrgenommen. Unsere Verkaufsbude, die bestückt mit
einigen Buttons, Aufklebern und Fanmagazinen, ein wahrlich überschaubares Sortiment bietet und in Punkto
Einnahmen lediglich unsere Ausgaben deckt, wird nun als „das Böse“ glorifiziert. Auf sinnvolle Argumente,
die für eine Schließung sprechen, warten wir bis heute vergebens. Vielmehr schwillt in uns der
Verdacht, dass es sich hierbei lediglich um eine plumpe Vorgehensweise des Präsidiums handelt, um uns als
Gruppe zu maßregeln. Dabei ist es der Vereinsführung selbst noch nicht gelungen, nach außen hin
eine gerade Linie zu fahren. Im Programmheft des Punktspieles gegen Auerbach zierten u.a. Bilder von unserer
Choreographie, untermalt von dünnen Rauchschwaden, die Seiten. Am vergangenen Freitag konnte man im selben
Heft ein Foto einer unserer seit einigen Wochen verbotenen Schwenkfahne erblicken. Dieser Zick-Zack-Kurs deckt
sich mit unseren Eindrücken aus vergangenen Gesprächen. Von einem Miteinander einschließlich
einer Einigung, mit der beide Seiten leben können, sind wir derzeit meilenweit entfernt.
Ausblick
Aufgrund von zeitlichen Engpässen kann ein neuerlicher Gesprächstermin erst in zwei Wochen wahrgenommen
werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt die Aufarbeitung der Ereignisse vom Freitag nicht möglich ist, werden wir
auch beim nächsten Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena II nicht mit organisiertem Support aufwarten. Unsere
Entscheidung wurde der Mannschaft bereits mitgeteilt. Bei Spielen in der Fremde werden wir jedoch wie gewohnt
vorgehen, unsere Mannschaft nach unserem Verständnis unterstützen und durch unsere Gesänge
aufzeigen, dass wir seit über einem Jahrzehnt nicht nur der 12. Mann, sondern ein großer Teil des
FSV Zwickau sind. Wir hoffen weiterhin auf euer Verständnis und bedanken uns an dieser Stelle noch mal
für die vielen aufmunternden Worte und geleisteten Unterschriften.
Red Kaos 1997
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