[ Offizielle Erklärung zu den Vorfällen am 11.11.06 ]

Nachdem sich in den vergangenen Tagen ja allerlei Personen, Institutionen, anonyme User im Internet und auch die Medien zahlreich zu Wort gemeldet und dabei mit allerhand Gerüchten und haltlosen Vermutungen die reine Wahrheit zu wissen glaubten, möchten wir uns an dieser Stelle selbst zu den Vorwürfen und Ereignissen an besagtem Samstag äußern. Dabei soll jedoch nicht nur auf die Geschehnisse des Spieles selbst, sondern auch auf Hintergründe & Probleme, welche aktuell die Fan- und Ultraszene betreffen, eingegangen werden.

Zu Beginn möchten wir uns ganz klar und deutlich von den Leuchtspurattacken auf den Chemnitzer Fanblock distanzieren. Normalerweise ist eine Distanz von derartigen Verhaltensweisen, unsererseits nicht von Nöten, da wir problemlos beweisen können, dass in den nunmehr 9 ½ Jahren unserer Existenz nicht eine einzige Leuchtspur im Westsachsenstadion auf gegnerische Fangruppen geschossen wurde. Wieso also, sollte dies am Samstag plötzlich der Fall sein, und dazu noch nach dem entscheidenden Ausgleichstreffer? Wer uns kennt und bereit ist, sich mit einer wenig Gesellschaftskonformen Fankultur, auseinander zu setzen, wird möglicherweise wissen, dass sinnvoll eingesetzte Pyroartikel, aber auch andere optische Highlights in Form von Choreographien und anderen großen Schwenkfahnen, zu unserer Passion gehören. Noch nie aber, haben wir durch gezielten Einsatz von Raketen Menschenleben gefährdet oder es gar verletzt. Nicht umsonst haben wir in all den Jahren kein einziges Stadionverbot zu verzeichnen gehabt. Umso unverständlicher ist es für uns, wie zahlreiche Personen nun versuchen, den Sündenbock in uns zu finden.

Wer aufmerksam Wochenende für Wochenende durch die Rotunde des heimischen Westsachsenstadion schaut, dem wird auch nicht der Unterschied zwischen dem Spiel vs. Meuselwitz und dem Derby gegen den Chemnitzer FC entgangen sein. Der kleine, aber feine Unterschied lag nämlich in der Besucherfrequentation des E-Blockes. Bevölkerten gegen Meuselwitz noch ca. 70 Fans Block E (siehe Bild), so waren es gegen Chemnitz gleich weit über 300 (siehe Bild). Betrachtet man nun noch die durchschnittliche Besuchszahlen bei den restlichen Heimspielen in der laufenden Saison, so kommt man nicht um die Feststellung herum, dass mindestens 150 Fans im Block E, ihr erstes Heimspiel gegen Chemnitz erlebten. So mutet es als ein schier unmögliches Unterfangen an, vermeintliche Täter, beim Abschuss einer Leuchtspur, die aus einem ca. 10cm großen Stift erfolgt, zu beobachten und womöglich auch noch zu (er)kennen. Geht man nun noch weiter in die Tiefe und betrachtet den Fakt, dass Red Kaos aktuell ca. 25 Mitglieder zählt, von denen zu diesem Zeitpunkt vielleicht 20 den Block bevölkerten, so stellt sich für uns die Frage, wie wir, in einer solchen Situation erkennen und gleichzeitig auch noch handeln sollen?! Die einzige uns mögliche Art und Weise der Intervention war eine Durchsage durch den Capo, die auch (wie unschwer auf einem der durchs Internet geisternden Videos, zu erkennen) sofort nach den Ereignissen erfolgte. Wer uns nach diesen Fakten und Tatsachen immer noch den Tathergang unterstellt und meint wir hätten ihn aufgrund unserer Stellung mit absoluter Sicherheit verhindern können, führt unserer Meinung nach üble Polemiken im Schilde und urteilt nicht annähernd objektiv. Wer sich dahingehend äußert, dass Red Kaos den Block übernommen hat (wir haben den Block „übernommen" und ihn mit unserer großen Zaunfahne eingeweiht, im Jahr 2000, als viele Fans und Zuschauer den Verein aufgegeben hatten und wir teilweise mit 40 Fans allein auf weiter Flur im E-Block standen!), mag Recht haben, kann uns jedoch in gleichen Atemzug nicht auch noch für Sicherheit und Ordnung verantwortlich machen. Wer dies jedoch tut, fordert quasi im gleichem Atemzug eine autonome Kurve, sollte dann wenn er Pflichten einfordert auch Rechte zugestehen. Rechte die wir de facto nicht haben. Ebenso wenig lassen wir uns von den Vereinsverantwortlichen vor den Karren spannen und als Schuldige an diesem Tag verurteilen. Wer uns, die Schuld für das Versagen im eigenen Block in die Schuhe schiebt, sollte sich selbst hinterfragen, warum er sein eigenes Stadion nicht unter Kontrolle hat...

Wer oder was wir sind

Ein großes Problem in der heutigen Zeit, ist die passive Auseinandersetzung mit dem Geschehen auf den Rängen. Der gemeine Stadiongänger sieht das Spielfeld, sieht unsere Zaunfahne und steckt automatisch alle dahinterstehenden Fans in einen Topf. Die in Deutschland gern genutzten Schubladen öffnen sich, man steckt sein kleines Weltbild hinein, schliesst sie wieder und ist nur selten bereit sie zu öffnen, um sie vielleicht mit neuen Erkenntnissen oder eigenen Gedanken zu füllen. Deswegen eine kurze Abhandlung unserer, doch gar nicht so kurzen Geschichte. Seit unserer Gründung im Frühjahr 1997, haben wir als Gruppe nicht ein einziges Pflichtspiel, sei es in der Fremde oder im heimischen Westsachsen verpasst. Über 330 Pflichtspiele in Folge immer Präsent, egal, wann und wo der FSV gegen das runde Leder trat. Wir waren sowohl an einem Mittwoch 16.00, als wir mit 5-0 in Gütersloh unter die Räder kamen unter den 22 mitgereisten Zwickauern, aber auch an einem Freitag bei TB Berlin unter 40 Unentwegten, genau wie Mittwochs in Neugersdorf, als nur noch 42 Zwickauer an ihre geliebten Farben glaubten. Für uns war und ist es unerheblich, wann der FSV spielt, denn wir sind immer dabei, egal was es kostet und egal wie viel Zeit mal wieder flöten geht. Fussball und das Fan-Dasein ist für uns kein Hobby. Wir opfern auch kein Geld und keine Zeit, sondern geben sie gern, denn Fussball ist unsere Passion, genau wie der FSV und die Aktivität in der Kurve. Keine Familie, keine anderen Hobbies, kein noch so wichtiger Job, hat Vorrang vor dem, was unser Leben bestimmt, ROT & WEISS! Wir hangeln uns von Spiel zu Spiel, das Stadion ist unser Zu Hause, bestimmt unser Leben und wir geben ihm unsere gesamten Emotionen. Hatten wir uns in der Anfangszeit noch den Choreographien und der Verbesserung des akustischen Gesangs verschrieben, so folgte mit den Jahren ein mehr und mehr eigenes Profil. Die mit sinkenden Erfolg, Woche für Woche ausgedünntere Fanszene des FSV, starb und sank mehr und mehr dar nieder, während wir mit Hilfe der letzten Mohikaner um die „Mauritius Oilers" und den „Alten Sachsen", um nur zwei zu nennen, das einzige Gerüst der Zwickauer Fanszene bildeten. In den letzten 3-4 Jahren erhielten wir nun auch zahlenmäßig die Oberhand. So kam es vor, dass sich an einem verregneten Sonntag 34 Zugfahrer trafen, um zum bedeutungslosen Kick ins niederlausitzsche Hoyerswerda zu reisen, darunter beinahe 20 Mitglieder von Red Kaos. Mehr und mehr, sahen wir es nun als unsere Aufgabe an, die Fanszene nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Wir waren und sind nicht so, wie die alte Fangeneration. Unsere Ziele die wir verfolgen, beinhalten mehr. Sauer stiess es uns auf, dass sich ein Großteil der Fans, die in der vergangenen Saison, aufgrund der sportlichen Erfolge unseres Vereins, auf Auswärtstouren nun dabei waren, benahm wie auf einer Männertagstournee. Sinnentleertes Gegröle, zutiefst asoziales Verhalten und eine prollige Art und Weise, die es bei uns seit Jahren nicht gegeben hatte. Neuem Nachwuchs, der sich uns näherte, wurden unsere Werte entgegengebracht und verdeutlicht. Wir wollten ein soziales Umfeld schaffen, ein Klima ohne ständige sinnentleerte Pöbelein und bescheuerte Parolen. Wir können heute stolz sein, dass uns dies trotz harter Überzeugungsarbeit gelungen ist, dass sich die junge Generation mit der Fankurve beschäftigt, trotz weniger sportlicher Ambitionen Woche für Woche im Westsachsenstadion und in den Stadien der Fremde einfindet, etwas hat, womit sie sich identifizieren und aktiv einbringen kann. Möglicherweise kann man Vermutungen anstellen, wohin ein Teil dieser Jugendlichen ohne unsere Arbeit und Intervention abgedriftet wäre, jedoch nur für den Fall, dass man sich intensiver mit dieser Materie beschäftigen und nicht gleich alle Menschen mit nonkonformen Verhaltensweisen ins Arbeitslager stecken möchte... Des weiteren sind wir froh über die Tatsache, dem Rassismus im eigenen Block E den Garaus gemacht zu haben. Noch vor ca. 6 Jahren, prangten öfters schwarz-weiss-rote Fahnen in eben jenem Block. Scheinbar hat sich jedoch niemand daran gestört, möglicherweise lag es auch daran, dass es noch kein Internet oder Fanforum gab... Wir haben uns trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit dem Problem gestellt, diese Dumpfbacken, auch mit Hilfe des Fanprojektes in ihre Schranken und gleichzeitig aus dem E-Block verwiesen. Seit diesem Tag, sind rassistische Uh-Uh-Uh-Rufe, U-Bahn-Lieder oder anderes nationalistisches Gebrüll kein Thema mehr, in der heimischen Kurve. Ein Zustand, auf den man zurecht stolz sein kann. Leider stellt sich die Situation seit ca. 2 Jahren bei Auswärtsspielen anders dar, doch hier sind wir leider nicht immer in der Lage einzuschreiten. Auf Hilfe anderer Zwickauer Fans wartet man meist vergebens, die scheint es in der Realität nicht zu tangieren, wissen sich nur mit Hilfe des Fanforums zu artikulieren. Ein Tatsache, welche die Problematik in unserer Fanszene absolut passend beschreibt, doch dazu später mehr. Neben zahlreichen Choreographien (es mögen wohl weit über 20 gewesen sein), versuchen wir unser Stadion wenn möglich immer in die Vereinsfarben zu tauchen, malen, nähen und basteln Schwenkfahnen, verbringen Tage und Nächte damit, um durch staubige Hallen zu robben, Plastikmaterial aneinanderzukleben, nur um am Spieltag für 2-3 Minuten dem Verein und unserer Kurve ein Geschenk zu machen, um unserem Block und unserem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen. Wer nun schimpft, dass Zwickau zum ersten Mal seit Jahren in den überregionalen Medien ist, und das negativ, sollte wenigstens so ehrlich sein und aktive Protagonisten befragen, wie oft wir durch unsere Choreographien und Bilder in der Kurve, bereits in etlichen deutschlandweiten Magazinen vertreten waren! Aber auch hier wäre Aktionismus mit der Materie gefordert und positive Schlagzeilen oder auch mal Lob, sind in hiesigen Landen ja selten gern gesehen. Wir scheuen auch nicht das Abbrennen von Pyromaterial, weil dies auch in anderen Ländern zum Fussball gehört, wie hierzulande das Bier im Stadion. Über 60 verschiedene Gesänge, kreativ und mit Texten, die nirgendwo in Deutschland zu hören sind, brachten uns überregional aus verschiedenen Fanszenen bereits viel Lob ein. Kreative Anfeuerung, versehen mit Texten die unsere Einstellung verkörpern zu singen, ist nicht jedermanns Sache, zeigt aber, dass wir von einer Fankurve und auch von uns selbst, mehr erwarten, als Bundesliga-Shalala-Liedgut. Und das ist auch gut so! Allerdings sind wir auch so selbstkritisch, um zuzugeben, dass in der Vergangenheit hin und wieder Fehler begangen wurden. Fussball ist kein emotionsloser Sport und schon gar nicht, geht es auf den Rängen ohne eben jene Emotionen ab, im Gegenteil, davon lebt sowohl der Fussball, als auch eine Fankurve. Das hier, hin und wieder über die Stränge geschlagen wurde, dass es Aktionen gab, die wir im Nachhinein als falsch ansehen, sollte ebenso nicht unerwähnt bleiben. Doch wo gehobelt wird da fallen Späne und aus Fehlern lernt man. Wer viel macht, der macht auch Fehler, perfekt ist eben keiner. Bis dato wurden aber all diese Problematiken mit den letzten Aktivposten in der Zwickauer Szene evaluiert und danach versucht zu ändern ggf. zu verbessern. Mitbekommen haben dies jedoch auch nur Personen, die in die Szene direkt involviert sind, nach außen drang dabei, logischerweise, selten etwas. Dies sollte auch schon als kurze Abhandlung vorerst genügen.

Aktuelle Probleme in der Fanszene und Äusserungen im FSV-Forum

Beginnen möchten wir mit einer kurzen Zustandsbeschreibung der Zwickauer Fanszene. Lassen wir unsere Gruppe mal komplett außen vor und betrachten diejenigen, die noch aktiv das Fanleben gestalten, so kommen wir wohl oder übel nicht drum herum, die vielzitierte Lupe aus der Kommode zu holen. Waren früher Fanclubs wie die „Mauritius Oilers", „Alte Sachsen", „Immersteif" oder „FC Meerane" die Aktivposten und bestimmten durch ihr Verhalten und Auftreten die Richtung der Zwickauer Fanszene, so sind eigentlich fast alle diese Fanclubs aufgrund des hohen Alters ihrer Mitglieder außen vor. Außen vor einerseits was Besuche der Spiele in der Fremde betrifft, aber auch bei Entscheidungen oder Aktionen, die sich um fanspezifische Belange drehen. Ebenso hat die aktive Arbeit des Fanprojektes in Zwickau seit geraumer Zeit arg nachgelassen. Auch hier sind die gleichen Gründe verantwortlich, welche bereits bei den alten Fanclubs genannt wurden. Familie, Job oder anderweitige Verpflichtungen stehen im Vordergrund. Dies alles ist kein Vorwurf, vielmehr eine Tatsache, die wir vorerst unbewertet im Raum stehen lassen. Was also bleibt, sind wir als Gruppe nebst einiger weniger Einzelpersonen. Entsprechenden Nachwuchs, der mittlerweile nur noch selten Konstant den Weg ins Stadion findet, was aufgrund der aktuellen sportlichen Situation auch nicht verwundert, dient als einzige Anlaufstelle, unsere Gruppe. Doch hier sind wir mit der Situation teilweise überfordert, da wir durch unsere zahlentechnisch kleine Mitgliedschaft bereits durch die tagtäglichen Aufgaben über Gebühr ausgelastet sind. Es mangelt somit an einer Anlaufstelle für den Fannachwuchs, um sich zu orientieren, später zu festigen und sich im besten Falle nach einiger Zeit aktiv ins Geschehen einzubringen. Geschieht dies nicht, so driftet der Nachwuchs ab, kommt ausschliesslich zu den Spielen, wo „was los" sein wird und taucht auch danach nur unregelmäßig auf. Ein Zugriff ist somit nur schwerlich möglich, es entstehen Situationen wie zum Heimspiel gegen Chemnitz, als eine unbekannte Masse, den E-Block bevölkerte und wir selbst erstaunt, über die hohe Frequentation unseres Blockes waren. Folglich ist auch kein Selbstreinigungsprozess möglich, keine aktive Auseinandersetzung mit der Problematik, da diese Leute nicht greifbar sind und es auch an Vertretern mangelt, die solche Dinge in die Hand nehmen könnten. Bestenfalls hätte in dieser oder in der nächsten Woche ein „runder Tisch" anberaumt werden können, Protagonisten aus der Fanszene, von RK, dem Fanprojekt und dem Verein, hätten sich treffen und über aktuelle Problematiken diskutieren, reflektieren und gemeinsam Lösungsansätze finden können. Doch nicht nur über aktuelle Sachen, nein, vielleicht wäre allgemein ein monatlicher oder wenigstens regelmäßiger Austausch wünschenswert? Vielleicht trüge dies zum Selbstverständnis aller Partein bei? Aber kurz und schmerzlos konstatiert: Es ist keiner da, der sich berufen fühlt, eine solche Runde zu organisieren. Allgemein ist niemand da, der die Hände hebt und anpackt. Red Kaos steht ziemlich allein da und von außen häufen sich nach solchen Spielen wie gegen Chemnitz die Kritiken und seit diesem Wochenende auch die Diffamierungen. Hierbei besonders von einer Fraktion, die, und wir müssen dies so hart es klingt aussprechen: Nichts anderes tut, als sich hinter dem Monitor zu verstecken und anonym Weißheiten zum Besten zu geben. Mit Verlaub, aber seit wann haben Personen, die sonst NIE etwas leisten, NIE etwas zur Verbesserung beitragen und NIE in der Welt des Stadions ansprechbar sind, etwas zu sagen? Meinetwegen kann jeder soviel er will und mag seine Meinungen im Forum kundtun, sollte aber Respekt den Leuten gegenüber bewahren, für die Fussball und Zwickau soviel bedeutet, dass sie ihr gesamtes Leben, danach ausrichten. Oft genug wurde via Internet allen Kritikern der persönliche Dialog angeboten, jeder sollte wissen, wo er uns bei Heim- und auch Auswärtsspielen findet, aber die Personen, die im letzten halben Jahr wirklich den Kontakt gesucht haben, kann man an einer Hand abzählen. Das stimmt uns nicht nur traurig, sondern zeigt auch, dass viele Menschen ziemlich charakterlos und mit mangelnder Courage ausgestattet sind. Das man dann jedoch, unmittelbar nach Spielende gleich wieder in den Weiten des worldwideweb loslegt und über eine Gruppe urteilt, deren Mitglieder man nicht mal persönlich kennt, geschweige sich mal intensiv mit deren Geschichte und auch Zielen auseinandergesetzt hat, ist symptomatisch für den Zustand der Zwickauer Fanszene. Nichts machen, nichts tun, aber nörgeln. Ebenso untragbar die „Scheiss Red Kaos"-Rufe Seitens des C-Blockes am Samstagnachmittag. Hier wird einfach eine Gruppe pauschal stigmatisiert, bepöbelt und abgeurteilt, ohne das Gespräch gesucht und die Meinung des anderen gehört zu haben. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir in die gängige Klischeekiste gegriffen hätten, als Block C, zwei laute Böller auf zwei schwarze Chemnitzer Einwechselspieler warf und zwischen dieser Aktion und der Zaunfahne der „Alten Sachsen", die schwarz und mit altdeutschen Buchstaben versehen ist, einen Kontext hergestellt hätten. Ob sich die älteren Herren im Block C gefreut hätten, wenn wir sie lautstark als Nazis beschimpft hätten? Nein, kein absurdes Beispiel, sondern genau die Praxis, die am Samstag uns gegenüber angewandt wurde.
Für uns stellt sich jetzt natürlich ebenfalls die Frage, wie wir mit der Situation umzugehen haben. Ein Fehlverhalten Einzelner, die keiner kennt, wird uns in die Schuhe geschoben, alle Welt drischt verbal auf die Gruppe ein und keiner denkt auch nur Ansatzweise darüber nach, wie man so was zukünftig unterbinden könnte. Ganz schlaue fordern Stadionverbote für die gesamte Gruppe Red Kaos, wiederum andere würden am liebsten gleich den gesamten E-Block sperren, da sie wohl der Meinung sind, dass sie alles vieeeell besser können und ganz andere sind für noch mehr Polizei und noch heftigere Sanktionen. Aber wer will das Übel eigentlich an der Wurzel packen?? Wer macht sich Gedanken über Präventionen, bei denen man bereits mit minimalen Kosten übers gesamte Jahr verteilt mehr erzielen könnte, als ein Polizeieinsatz bei einem harmlosen Spiel kostet? Wahrscheinlich niemand und wenn, dann dürfte jener auch wenig bereit sein, für diese Art und Weise der Gewaltverhinderung zu kämpfen oder sich wenigstens einzusetzen. Aber vielleicht mit gutem Grund, denn sowohl auf Vereins, Polizei und Landesseite wird man eh kein Gehör finden. Der deutsche Mob giert nach populistischen Maßnahmen. Maßnahmen, die gefordert werden, weil Seitens der Medien, sei es nur durch Gewaltverherrlichende Filme oder durch reale Erlebnisberichte über Grausamkeiten in deutschen Stadien, den Konsumenten, unterbewusst eine gefährliche Welt suggeriert wird, die nur durch massive Ordnungspräsenz und Überwachung eingedämmt werden kann. Analog dazu fordert die Polizei immer größere Einsatzstaffeln an, provoziert durch ständige Anwesenheit Aggressionen, Lappalien, für die sich früher, als Fussball noch wenig „hipp" war, kein Mensch interessiert hat, werden breit durch die Medien transferiert, was wiederum die Leser und Zuschauer in eine verängstigende Lage versetzt. Ein schöner Kreislauf, der niemals unterbrochen werden kann, es sei denn, die Gesellschaft verändert sich und beginnt auch Dinge, abseits ihres alltäglichen Lebens zu hinterfragen und kritisch zu bewerten. Dabei wäre es viel sinnvoller Jugendliche oder potentielle Gewalttäter, die nur zu den guten Spielen ins Stadion kommen, durch eine ordentliche Anlaufstelle für die schönen Dinge in der Welt der Ultras zu begeistern. Dafür braucht man jedoch aktive Fans und auch Räumlichkeiten. Räumlichkeiten, die vielleicht ein funktionierendes Fanprojekt bieten könnte, sofern es denn die geeigneten finanziellen Mittel hätte. Da dies jedoch nicht der Fall ist, werden Aktionen, wie die am Samstag immer und immer wieder folgen und viel schlimmer noch, die Qualität der Fanszene wird sich nicht verbessern können. Außerdem ist auch kaum einer an einer solchen Verbesserung respektive Veränderung interessiert. Weder der Verein, noch die User im Forum oder normale Zuschauer im Stadion. Was geht’s uns an, gell? Wir schreien erst dann auf und erheben unseren Zeigefinger, wenn wieder was unrechtes passiert, denn wir, die nie was tun, sind schliesslich frei von allen Fehlern und Steine werfen die anderen... Probleme will keiner sehen, gute Taten auch nicht, nur das Fehlverhalten, dass schaut man sich gerne an, denn da ist man schnell mit der Hand bei der Tastatur, ist ein Gutmensch und kein sein Gewissen fix reinwaschen. Gestern noch in der 70er Zone mit 110km/h langgebrettert und fahrlässig Menschenleben gefährdet, heute die Zünder von Bengalischen Fackeln massivst verurteilt. Jaja, der Doppelmoral sind ständig Tür und Tor geöffnet.
Ebenso schade, dass keiner mal hinter die Kulissen blickt und die positiven Aspekte beleuchtet. Das Beispiel Aue im April 2006 wäre so eines. Fast alle RK-Mitglieder hatten sich die halbe Woche von Arbeit oder Studium losgeeist, teilweise schon zwei Wochen vorher durch dauerhaftes Werkeln die teuerste Choreographie in der Zwickauer Geschichte gefertigt, den Marsch vom Hauptmarkt zum Bahnhof organisiert, mit Sicherheitskräften abgesprochen, Flyer erstellt und tausendfach verteilt, Aufrufe zum sozialen Verhalten für den Tag X geschrieben, nach Bekanntgabe des Choreo-Verbotes, mit Hinz & Kunz, sämtlichen Ämtern und Institutionen in Verbindung gesetzt, Fahnen gemalt und einfach alles getan, um uns und nicht zuletzt dem gesamten Zwickauer Anhang optimale Bedingungen zu geben. Ein irrationales Maß an Energie und Leidenschaft über mehrere Tage ohne Schlaf und am Ende verhalten sich Hunderte von Zwickauern wie die Axt im Walde, grölen dumme rechte Parolen und interessieren sich teilweise nicht die Bohne für diesen Aktionismus. Dank erwartet vielleicht keiner von uns, aber ein gewisses Maß an Respekt nach Tagen, wie dem 11.11.06, vielleicht schon.

Aktuelle Positionierung unserer Gruppe

Wie sicher von allen mitbekommen, haben wir uns öffentlich gegen Volker Seifert ausgesprochen. Gründe wurden oft genug im Stadion, im Azione Kaos und auf Auswärtsfahrten genannt und durchdiskutiert. Aber auch im Forum wurde unser Standpunkt klar verdeutlicht. Jede Einzelperson oder jeder andere Fanclub hatte wochenlang die Möglichkeit, seine Meinung via Spruchbänder, Zaunfahnen etc. kundzutun, aber auch hier wieder die alte Problematik, die sich ja wie ein roter Faden durch dieses Kommunikat zieht... In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, also nehmen wir uns die Freiheit unsere Meinung, dort wo Fanpolitik betrieben wird, kundzutun. Wer dies nicht versteht und auch hier wieder im Forum pöbeln und urteilen muss, dem ist leider nicht mehr zu helfen. Soll er eben in seiner Parallelen Scheinwelt weiterleben. Volker Seifert hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, wie wenig Rückgrat er doch hat, allerhand Lügen, allerhand Unterstellungen und alle Mitglieder durch seine Entscheidungen mit Füssen getreten. Wer jetzt rumheult und durch Einträge a la „Volker bleib" aufhorchen lässt, muss sich die Frage stellen, warum er nicht FSV-Mitglied ist und durch seine Stimme die Geschicke des Vereins mitbestimmt. Jedoch wäre dies, wieder mit Arbeit und Zeitaufwand verbunden, ein kurzer Anti-RK-Eintrag tippt sich eben schneller... Volker Seifert ist weg und wir wünschen dem neuen Präsidium alles Gute und viel Schaffenskraft für die sicher nicht leicht zu bewältigende Aufgabe! Im heimischen E-Block werden wir auch weiterhin präsent, wie eh und je sein, unserer Hauptaufgabe nachgehen, ohne sich beirren zu lassen, von massiven Beleidigungen etc. Wer mag, kann gern sachlich mit uns diskutieren, evtl. wäre es vielleicht sinnvoll vorher die Scheuklappen und Vorurteile abzulegen und die gängigen Klischees von Kindergarten bis Hauptschüler ebenfalls daheim zu lassen.

Zukunft und Ausblick

Sollte für die kommenden Wochen der Super-Gau eintreten und der NOFV mit einer drastischen Strafe aufwarten, so werden wir schauen, wie wir aus der Situation das Beste herausholen können. Es bringt uns selbst erst mal wenig, wenn wir nun herum jammern, über die Übeltäter vom Samstag schimpfen und dabei vergessen den Blick nach vorn zu richten. Wie auch in den vergangenen Jahren, wird’s irgendwie weitergehen und Red Kaos wird wie gewohnt an der Seite des FSV stehen.

Gez. RetKinia für Red Kaos 1997

RK

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